Liquiditätsplanung-Software: vier Ansätze, ein Unterschied
Nicht die Funktionsliste entscheidet, sondern woher die Zahlen kommen und wer den Plan pflegt. Vier Ansätze — und für welchen Betrieb welcher trägt.
Inhalt in Kürze
- Werkzeuge zur Liquiditätsplanung unterscheiden sich weniger in Funktionen als darin, woher die Zahlen kommen.
- Vier Ansätze sind verbreitet: aus dem Konto, aus der Buchhaltung, von Hand, über mehrere Gesellschaften.
- Die Preisspanne reicht von unter 10 € bis in den vierstelligen Bereich — und hängt oft an Nutzern und Bankkonten.
- Kein Werkzeug ersetzt die Einschätzung, wann ein Kunde tatsächlich zahlt. Genau daran hängt die Güte jeder Planung.
Warum Ranglisten hier wenig helfen
Wer „Liquiditätsplanung Software Vergleich“ sucht, findet Listen mit acht, zehn oder neunzehn Anbietern, sortiert nach Bewertung. Was diese Listen selten trennen: Die Werkzeuge lösen verschiedene Teilprobleme.
Ein Programm, das aus den Kontobewegungen eine Vorschau hochrechnet, hat mit einer Treasury-Plattform, die Zahlungsströme über acht Gesellschaften konsolidiert, ungefähr so viel gemeinsam wie ein Fahrtenbuch mit einer Flottensteuerung.
Beide heißen Liquiditätsplanung. Sie ersetzen einander nicht.
Die brauchbare Auswahlfrage lautet deshalb nicht „welches Tool ist das beste“, sondern: Woher sollen die Zahlen kommen, und wer pflegt den Plan? Alles andere folgt daraus.
Die vier Ansätze
1. Aus den Kontobewegungen hochrechnen
Diese Werkzeuge lesen die Bankumsätze und leiten daraus eine Vorschau ab: Wiederkehrende Zahlungen werden erkannt und fortgeschrieben, Muster aus der Vergangenheit in die Zukunft verlängert.
Das gelöste Problem: Niemand hat Zeit, wöchentlich eine Tabelle zu füllen — die Grundlast soll von allein stehen.
Tidely und Commitly kommen aus dieser Ecke. Tidely nennt für den Einstieg 39 € im Monat; Commitly verzichtet auf öffentliche Fixpreise.
Die Stärke liegt in der Grundlast: Miete, Löhne, Leasing, Versicherungen, Software-Abos stehen ohne Zutun im Plan.
Der blinde Fleck ist alles, was noch nie geflossen ist — der neue Auftrag, die geplante Investition, die Einstellung im November. Wer nur fortschreibt, plant die Vergangenheit.
2. Aus der Buchhaltung ableiten
Hier kommen die Zahlen aus den offenen Posten: Was ist fakturiert und noch nicht bezahlt, was liegt an Lieferantenrechnungen vor, wann sind die Fälligkeiten.
Buchhaltungsprogramme wie Lexware Office oder sevDesk bringen einen Liquiditätsteil mit; DATEV liefert die Daten für Auswertungen der Kanzlei. Die Einstiegspreise liegen niedrig — Lexware Office beginnt bei 6,90 € monatlich, größere Pakete bei knapp 40 €.
Der Vorteil: Die Zahlen sind belegt, nicht geschätzt. Der Nachteil: Eine offene Forderung ist ein Bestand, kein Termin.
Ohne die Einschätzung, wann der jeweilige Kunde tatsächlich zahlt, plant man systematisch zu früh — und traut dem Plan nach vier Wochen nicht mehr. Wie sich das sauber trennen lässt, steht unter OPOS-Liste lesen.
3. Von Hand planen
Der Klassiker: eine Tabelle mit Wochen in den Spalten und Zahlungsarten in den Zeilen. Dazu zählen auch Planungswerkzeuge, die im Kern eine bessere Tabelle sind.
Der Vorteil ist die vollständige Kontrolle: Jede Annahme ist sichtbar, jede Zahl erklärbar, nichts passiert im Hintergrund. Für Betriebe mit einem Konto und überschaubaren Zahlungsströmen ist das oft die ehrlichste Lösung.
Der Nachteil ist die Pflege. Excel scheitert nicht an der Formel, sondern daran, dass jemand wöchentlich vier Quellen zusammenführt. Wie eine Vorlage aussieht, die das aushält, steht unter Liquiditätsplan in Excel.
4. Über mehrere Gesellschaften konsolidieren
Treasury-Werkzeuge richten sich an Unternehmen mit mehreren Gesellschaften, vielen Bankverbindungen und echtem Steuerungsbedarf: Konsolidierung, Szenarien, Währungen, Kontenclearing.
Agicap ist hier der im deutschsprachigen Raum bekannteste Anbieter; Vergleichsportale nennen einen Einstieg ab rund 55 €, abhängig von der Zahl der Nutzer und Bankkonten. Nach oben ist die Spanne offen.
Der blinde Fleck dieser Kategorie ist nicht funktional, sondern wirtschaftlich: Wer eine Gesellschaft und zwei Konten hat, zahlt für eine Konsolidierung, die nie stattfindet. Die ehrliche Abgrenzung steht unter Agicap-Alternative.
Die Frage, die jede Auswahl entscheidet
Alle vier Ansätze stehen und fallen mit einer einzigen Größe: wann das Geld tatsächlich kommt.
Eine Rechnung mit dreißig Tagen Zahlungsziel ist keine Einzahlung am dreißigsten Tag. Sie ist eine Einzahlung irgendwann zwischen Tag 28 und Tag 75, abhängig vom Kunden.
Wer die Fälligkeit einträgt, plant zu früh und zu hoch — und zwar systematisch, nicht gelegentlich.
Software kann diese Lücke verkleinern, indem sie das beobachtete Zahlungsverhalten je Kunde auswertet: Wer in den letzten zwölf Zahlungen im Schnitt neun Tage über der Fälligkeit lag, wird auch diesmal nicht pünktlich zahlen.
Das ist der wertvollste Beitrag, den ein Werkzeug hier leisten kann — und der, nach dem am seltensten gefragt wird.
Kostenlos herunterladen · PDF-Begleitheft (12 Seiten) + Excel-Vorlage (5 Blätter)
13-Wochen-Liquiditätsplan
Die Vorlage, die auch nach vier Wochen noch stimmt
Woher die Bankdaten kommen
Zwei Wege sind üblich, und der Unterschied ist praktischer Natur.
Direkter Bankzugang über PSD2. Bequem, weil einmal eingerichtet. Im Firmenkundenbereich hat er zwei Nachteile: Die Datenabdeckung ist bei Geschäftskonten oft eingeschränkter als bei Privatkonten, und der Zugang muss je nach Institut alle 90 oder 180 Tage neu freigegeben werden. Wird das vergessen, fehlen Daten — ohne dass es auffällt.
Automatisierter Export aus dem Banking-Programm. Das vorhandene Programm schreibt die Kontoauszüge im Format CAMT.053 in einen Ordner, ein Dienst liest sie dort ab. Der Weg wirkt altmodisch und ist im Firmenkundenbereich häufig der robustere, weil er eine Verbindung nutzt, die ohnehin täglich gepflegt wird. Details unter StarMoney ergänzen statt ersetzen.
Wichtig ist in beiden Fällen der Informationsgehalt: Ein CSV-Export enthält Datum, Betrag und Verwendungszweck. CAMT.053 enthält zusätzlich Mandatsreferenz und Gläubiger-Identifikationsnummer — und erst damit lässt sich ein unbekannter Empfänger dauerhaft zuordnen.
Der Liquiditätsplan hat mir nicht gezeigt, dass Geld fehlt. Er hat mir gezeigt, dass ich beim Planen immer zu optimistisch bin. Das war die teurere Erkenntnis.Jens Hagel, Geschäftsführer der hagel IT-Services GmbH
Drei Horizonte, die nicht dasselbe sind
Ein häufiges Missverständnis in Anbietergesprächen: „Liquiditätsplanung“ meint je nach Gegenüber drei verschiedene Zeitachsen — und Werkzeuge sind selten für alle drei gebaut.
Kurzfristig, bis dreizehn Wochen. Wochengenau, terminbasiert, mit echten Fälligkeiten. Beantwortet die Frage, ob am Fünfzehnten die Löhne gedeckt sind. Hier entscheidet die Datenqualität: offene Posten, Steuertermine, Lohnlauf.
Mittelfristig, bis zwölf Monate. Monatsraster, gespeist aus Erfahrungswerten und Auftragslage. Beantwortet die Frage, ob die Investition im Herbst tragbar ist. Hier entscheidet weniger die Genauigkeit als die Vollständigkeit der bekannten Ereignisse.
Strategisch, über mehrere Jahre. Verknüpft mit Ergebnis- und Bilanzplanung, oft Teil einer integrierten Finanzplanung. Beantwortet die Frage, ob das Geschäftsmodell aus eigener Kraft wächst. Damit hat kurzfristige Liquiditätssteuerung wenig zu tun — es ist eine andere Disziplin mit anderen Werkzeugen.
Wer ein Werkzeug für den ersten Horizont sucht und ein Angebot für den dritten bekommt, zahlt für Planungsebenen, die im Alltag niemand pflegt. Die Rückfrage lautet deshalb: Welchen dieser drei Horizonte deckt die Software, und mit welcher Datenbasis?
Reporting und Szenarien: was über die Vorschau hinausgeht
Die reine Vorschau ist der Anfang. Drei Auswertungen entscheiden darüber, ob ein Werkzeug im Alltag mehr leistet als eine Tabelle.
Der Soll-Ist-Vergleich. Was war für diese Woche geplant, was ist tatsächlich passiert? Diese Auswertung ist die wertvollste und die am seltensten genutzte — sie zeigt nicht die Lage, sondern die eigene Planungsgüte. Wer feststellt, dass er die Zahlungseingänge systematisch um zehn Tage zu früh ansetzt, kann das korrigieren.
Szenarien. Was passiert, wenn der größte Kunde dreißig Tage später zahlt? Wenn der Auftrag nicht kommt? Brauchbare Szenarien brauchen keine aufwendige Simulation — drei Varianten genügen: erwartet, vorsichtig, schlecht. Wichtig ist, dass sie nebeneinander sichtbar sind.
Das Reporting nach außen. Banken und Gesellschafter erwarten eine nachvollziehbare Unterlage, keinen Bildschirmauszug. Ein Werkzeug, das eine saubere Liquiditätsvorschau als PDF ausgibt, spart im Bankgespräch spürbar Zeit — und wirkt professioneller als eine Tabelle mit sichtbaren Formelfehlern.
Diese drei zusammen sind der eigentliche Unterschied zwischen einer Software und einer Tabelle. Die Vorschau selbst kann Excel auch.
Kostenlose Liquiditätsplanung: was geht und wo es endet
Eine häufige Frage, und die ehrliche Antwort ist zweigeteilt.
Was kostenlos geht: Die Rechnung selbst. Eine Tabellenvorlage mit dreizehn Wochenspalten, vier Formeln und einer bedingten Formatierung kostet nichts und trägt in kleinen Betrieben jahrelang. Viele Banken und Kammern stellen solche Vorlagen bereit; die Struktur ist überall dieselbe.
Was nicht kostenlos geht: Die Datenbeschaffung. Wer wöchentlich Kontoauszug, offene Posten, Lohnlauf und Steuertermine von Hand zusammenträgt, zahlt mit Arbeitszeit — und zwar dauerhaft. Bei einer Stunde pro Woche sind das über fünfzig Stunden im Jahr.
Die Rechnung ist damit einfacher, als sie wirkt: Eine Software für 39 € im Monat kostet im Jahr weniger als sechs Arbeitsstunden. Wer mehr als eine Stunde monatlich mit dem Zusammensuchen verbringt, hat die Entscheidung rechnerisch schon getroffen.
Der Haken liegt woanders: Die Zeitersparnis tritt nur ein, wenn die automatische Datenübernahme tatsächlich funktioniert — mit den eigenen Banken, dem eigenen Buchhaltungsprogramm, den eigenen Zahlungsarten. Genau das gehört in die Testphase, nicht in die Funktionsliste.
Was zu welcher Firma passt
| Ausgangslage | Passender Ansatz | Was man sich sparen kann |
|---|---|---|
| Ein Konto, wenige Kunden, feste Kosten | Tabelle mit festem Wochentermin | Jede Software, solange die Pflege läuft |
| Viele kleine Abbuchungen, unklare Fixkosten | aus dem Konto hochrechnen | Manuelles Sammeln der Grundlast |
| Viele offene Posten, schwankende Zahlungseingänge | aus der Buchhaltung, mit Zahlungsverhalten | Reine Fortschreibung ohne Forderungen |
| Mehrere Gesellschaften, viele Banken | Treasury-Konsolidierung | — hier ist sie berechtigt |
Die dritte Zeile ist die häufigste im Mittelstand und die, bei der am meisten falsch gekauft wird: Wer sein Problem bei den Forderungen hat, löst es nicht mit einer besseren Vorschau auf die Fixkosten.
Die sechs Punkte, an denen sich Angebote unterscheiden
Funktionslisten ähneln sich. Die Unterschiede liegen in Details, nach denen selten gefragt wird.
| Punkt | Brauchbare Rückfrage |
|---|---|
| Bankabdeckung | Sind unsere Institute dabei — inklusive Sparkasse und Genossenschaftsbank mit Geschäftskonto? |
| Buchhaltungs-Anbindung | Kommen die offenen Posten automatisch, oder muss jemand exportieren? |
| Zahlungsverhalten | Rechnet das System mit der Fälligkeit oder mit der Erfahrung je Kunde? |
| Mehrere Konten | Werden sie konsolidiert dargestellt oder einzeln nebeneinander? |
| Rechte | Wer darf die Vorschau sehen? Liquiditätsdaten sind selten für alle bestimmt. |
| Datenexport | Kommen Plan und Historie beim Ausstieg vollständig mit? |
Die dritte Zeile ist die, die den größten Unterschied in der Planungsgüte macht — und die, auf die im Verkaufsgespräch am häufigsten ausweichend geantwortet wird.
Die letzte Zeile gehört ins erste Gespräch, nicht ins letzte: Wer nach zwei Jahren wechseln will und die Historie nicht mitnehmen kann, beginnt seine Auswertungen wieder bei null.
Die Einführung, die durchhält
- Mit dem Anfangsbestand starten, nicht mit der Prognose. Der tatsächliche Kontostand aller Geschäftskonten ist die einzige Zahl, die sicher stimmt.
- Wiederkehrendes automatisch holen. Drei Monate Kontoauszug rückwärts finden alles, was regelmäßig abgeht — Miete, Leasing, Versicherungen, Software.
- Offene Posten mit Fälligkeit ergänzen, aber mit dem beobachteten Zahlungsverhalten, nicht mit dem vereinbarten Ziel.
- Ereignisse von Hand eintragen. Einstellungen, Investitionen, Sonderzahlungen. Das bleibt Menschenarbeit — und ist der Teil, der den Plan von einer Hochrechnung unterscheidet.
Danach ist Pflege: einmal pro Woche, immer am selben Tag, nur die erste Woche korrigieren und hinten eine anhängen. Die ausführliche Anleitung steht unter Liquiditätsplanung erstellen.
Was kein Werkzeug leisten kann
Es beschafft kein Geld. Ein Plan verschafft Zeit — und Zeit ist bei einer Linienerhöhung oder einer Ratenvereinbarung das Entscheidende. Er ist die Grundlage des Bankgesprächs, nicht sein Ergebnis.
Es kennt eure Aufträge nicht. Ob der Auftrag im Oktober kommt, weiß der Vertrieb, nicht die Software. Jede Prognose ist nur so gut wie die Annahmen, die jemand einträgt.
Es ersetzt die Erfolgsrechnung nicht. Ein Plan kann über Monate aufgehen, während der Betrieb Verluste macht. Zahlungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit sind zwei verschiedene Fragen — die zweite beantwortet die BWA.
Es entscheidet nicht. Ein Werkzeug meldet die Unterdeckung in Woche neun. Ob daraufhin gemahnt, verhandelt oder investiert wird, bleibt eine Entscheidung.
Die Auswahl entscheidet sich nicht an Funktionen, sondern an zwei Fragen: Woher kommen die Zahlen, und wer pflegt den Plan? Wer beides beantworten kann, braucht keinen Anbietervergleich mehr — die Kategorie ergibt sich von selbst.
Wie sich der Bestand an wiederkehrenden Zahlungen zuerst sichtbar machen lässt, steht unter Liquiditätsplanung und SaaS-Kosten im Griff; die Zahlungssicht auf dieselben Daten unter Cashflow berechnen und im Cashflow-Rechner.
Die Preise von Yupana gelten je Unternehmen, nicht je Nutzer oder Bankkonto.
Dreizehn Wochen, unter zwanzig Zeilen, vier Formeln — die Vorlage, die die Pflege übersteht.
13-Wochen-Plan herunterladen- § 17 InsO — Zahlungsunfähigkeit
- § 15a InsO — Antragspflicht und ihre Fristen
- § 271 BGB — Fälligkeit als Grundlage jeder Terminplanung
- § 286 BGB — Verzug und seine Voraussetzungen
- Deutsche Bundesbank — SEPA-Zahlungsverfahren
- EBICS — Datenformate, darunter CAMT.053
Preisangaben stammen aus Anbieterseiten und Vergleichsportalen, geprüft am 8. August 2026. Wettbewerber werden bewusst nicht verlinkt; wo Portal und Anbieterseite abweichen, gilt die Anbieterangabe.
Häufige Fragen
- Welche Liquiditätsplanung-Software ist die richtige?
- Das entscheidet nicht die Funktionsliste, sondern die Frage, woher die Zahlen kommen sollen. Vier Ansätze sind verbreitet: aus den Kontobewegungen hochrechnen, aus der Buchhaltung ableiten, von Hand planen oder über mehrere Gesellschaften konsolidieren. Wer eine Gesellschaft und zwei Banken hat, braucht keine Treasury-Lösung. Wer täglich Zahlungsströme über zehn Konten steuert, kommt mit einer Tabelle nicht weit.
- Was kostet Liquiditätsplanung-Software?
- Die Spanne reicht von wenigen Euro bis in den vierstelligen Bereich pro Monat. Tidely nennt für den Einstieg 39 € monatlich, Agicap beginnt laut Vergleichsportalen bei rund 55 € und rechnet nach Nutzern und Bankkonten. Buchhaltungsprogramme mit Liquiditätsteil starten deutlich darunter, decken dafür nur einen Ausschnitt ab. Treasury-Lösungen für mehrere Gesellschaften liegen darüber. Stand: August 2026.
- Reicht Excel für die Liquiditätsplanung?
- Zum Rechnen ja, zum Pflegen selten. Excel scheitert nicht an der Formel, sondern daran, dass jemand den Plan wöchentlich aus mehreren Quellen füllen muss — Kontoauszug, offene Posten auf beiden Seiten, Lohnlauf, Steuertermine. Der ehrlichste Indikator für den Wechsel ist nicht die Zahl der Buchungen, sondern die Frage, ob die wöchentliche Pflege in den letzten zwei Monaten regelmäßig ausgefallen ist.
- Wie weit im Voraus sollte man planen?
- Dreizehn Wochen wochengenau, danach monatlich bis Monat zwölf. Dreizehn Wochen sind ein Quartal — der Zeitraum, in dem Gegenmaßnahmen noch wirken: Mahnung, Zahlungsziel, Ratenvereinbarung, Linienerhöhung. Kürzer geplant bleibt keine Zeit zum Handeln, länger geplant wird die Wochengenauigkeit zur Scheingenauigkeit. Jede Software, die etwas anderes vorschlägt, sollte begründen können, warum.
- Was ist der Unterschied zwischen Liquiditätsplanung und Cashflow-Rechnung?
- Die Cashflow-Rechnung schaut zurück: Sie zerlegt einen abgeschlossenen Zeitraum in operativen, Investitions- und Finanzierungsbereich. Die Liquiditätsplanung schaut nach vorn und arbeitet mit Terminen statt mit Perioden. Beide brauchen dieselben Kontodaten, beantworten aber verschiedene Fragen — die eine, warum das Geld weg ist, die andere, ob es am Fünfzehnten reicht.
- Kann Software die Liquiditätsplanung automatisch erstellen?
- Teilweise. Wiederkehrende Zahlungen, offene Posten und Steuertermine lassen sich automatisch übernehmen — das ist der größere Teil der Arbeit. Nicht automatisierbar ist die Einschätzung: Wann zahlt dieser Kunde tatsächlich, kommt der Auftrag im Oktober, wird die Investition verschoben? Ein Werkzeug, das eine vollautomatische Planung verspricht, hat diese Grenze entweder nicht verstanden oder verschweigt sie.
- Braucht man eine Bankanbindung?
- Für eine belastbare Planung ja, aber nicht zwingend per Live-Schnittstelle. Ein automatisierter CAMT.053-Export aus dem vorhandenen Banking-Programm liefert dieselben Daten und ist im Firmenkundenbereich oft robuster als PSD2-Zugänge, die alle 90 oder 180 Tage neu freigegeben werden müssen. Fällt diese Freigabe aus, fehlen Daten — ohne dass es auffällt.
- Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich eine Software?
- Weniger die Größe entscheidet als die Zahl der Datenquellen. Ein Betrieb mit einem Konto, wenigen Kunden und überschaubaren Fixkosten fährt mit einer gepflegten Tabelle gut. Sobald mehrere Konten, viele offene Posten und schwankende Zahlungseingänge zusammenkommen, übersteigt der Sammelaufwand den Nutzen der Tabelle — meist zwischen zehn und fünfzig Beteiligten.

