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Cashflow berechnen: Formel, Beispiel, typische Fehler

Direkte und indirekte Methode nebeneinander, jede Zeile erklärt — und die drei Posten, die im operativen Cashflow fehlen und trotzdem das Konto leeren.

Jens Hagel7 Min. Lesezeit
Fließendes Wasser als Bild für Ein- und Auszahlungen

Inhalt in Kürze

  • Der Cashflow zeigt, wie viel Geld tatsächlich geflossen ist — der Gewinn nicht.
  • Beide Methoden führen zum selben Ergebnis; die indirekte ist aus der BWA rechenbar.
  • Die häufigste Verwechslung ist die mit dem EBITDA, und sie ist teuer.
  • Drei Posten fehlen im operativen Cashflow und leeren trotzdem das Konto.

Warum die Zahl gebraucht wird

Der Gewinn beantwortet die Frage, ob sich das Geschäft gelohnt hat. Der Cashflow beantwortet die Frage, ob das Unternehmen zahlungsfähig bleibt.

Diese beiden Fragen fallen häufiger auseinander, als es die Intuition erwarten lässt — und der Unterschied ist der häufigste Grund dafür, dass wirtschaftlich gesunde Betriebe in Schwierigkeiten geraten.

Der Mechanismus dahinter ist unspektakulär: Wachstum bindet Geld. Wer mehr verkauft, hat mehr offene Forderungen, mehr Ware im Lager und mehr Vorleistungen bezahlt. All das erhöht den Gewinn und senkt den Kontostand — gleichzeitig, im selben Monat.

Die indirekte Methode

Sie beginnt beim Ergebnis und rechnet alles heraus, was das Ergebnis beeinflusst hat, ohne Geld zu bewegen. Das ist der Weg, den Jahresabschlüsse gehen, und der einzige, der sich aus einer vorliegenden BWA nachvollziehen lässt.

PositionBetragWarum
Vorläufiges Ergebnis21.000 €Ausgangspunkt aus der Erfolgsrechnung
+ Abschreibungen9.000 €mindern das Ergebnis, ohne dass Geld fließt
+ Zunahme Rückstellungen2.000 €gebildet, aber nicht gezahlt
− Zunahme Forderungen15.000 €Umsatz gebucht, Geld nicht da
− Zunahme Vorräte8.000 €bezahlt, aber noch nicht verkauft
+ Zunahme Verbindlichkeiten6.000 €erhalten, aber noch nicht gezahlt
Operativer Cashflow15.000 €

Aus 21.000 € Ergebnis werden 15.000 € Cashflow. Die Differenz von 6.000 € steckt vollständig in offenen Rechnungen und im Lager — sie ist nicht verloren, aber sie ist nicht verfügbar.

Die direkte Methode

Hier zählt nur, was tatsächlich auf dem Konto passiert ist. Sie ist ehrlicher, weil sie ohne Annahmen auskommt, und aufwendiger, weil sie die Kontobewegungen braucht statt der Auswertung.

Einzahlungen aus Umsatz plus sonstige Einzahlungen, minus Auszahlungen für Material, Personal, Sonstiges und Steuern. Das Ergebnis muss mit der indirekten Methode übereinstimmen — tut es das nicht, ist eine der beiden Rechnungen unvollständig.

In der Praxis wird die direkte Methode selten verwendet, obwohl sie die verständlichere ist. Der Grund ist banal: Die Erfolgsrechnung liegt jedem Betrieb vor, eine strukturierte Aufstellung der Zahlungen nicht.

EBITDA ist nicht der Cashflow. Es addiert Abschreibungen zurück, ignoriert aber Forderungen, Vorräte und Verbindlichkeiten — also genau die Posten, die Geld binden. Ein Betrieb mit hervorragendem EBITDA und leerem Konto ist der Regelfall, nicht die Ausnahme.

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Die drei Posten, die fehlen

Der operative Cashflow beschreibt das laufende Geschäft. Drei erhebliche Zahlungsströme stehen bewusst nicht darin und werden trotzdem vom selben Konto bedient:

Tilgung. Zahlungswirksam, aber kein Aufwand — nur der Zinsanteil ist einer. Sie gehört in den Finanzierungs-Cashflow. Wer sie vergisst, hält sich für liquider, als er ist.

Investitionen. Der Kauf einer Maschine erscheint nicht im operativen Cashflow, verschiebt den Kontostand aber erheblich. Er gehört in den Investitions-Cashflow.

Privatentnahmen. In Personengesellschaften der am häufigsten übersehene Abfluss. Sie mindern das Kapital, nicht das Ergebnis, und tauchen deshalb nirgends in der Erfolgsrechnung auf.

Wer alle drei Bereiche zusammenführt, hat die Kapitalflussrechnung — und damit die Erklärung für jede Differenz zwischen Ergebnis und Kontostand.

21.000 €vorläufiges Ergebnis im Beispiel
15.000 €operativer Cashflow
6.000 €Differenz, gebunden in Forderungen und Lager

Wie man den Wert einordnet

Ein positiver operativer Cashflow bedeutet, dass das laufende Geschäft Geld erwirtschaftet hat. Ob das reicht, entscheidet sich erst danach — nach Tilgung, Investitionen und Entnahmen.

Ein negativer operativer Cashflow ist nicht automatisch ein Alarmsignal. Einmalig kann er an Vorleistung oder Lageraufbau liegen, etwa vor einer Saison.

Über mehrere Perioden hinweg ist er allerdings der deutlichste Frühindikator für ernsthafte Schwierigkeiten, den es gibt — deutlicher als jede Ergebniskennzahl, weil sich der Cashflow nicht durch Bewertungsspielräume schönen lässt.

Als grobe Faustregel gilt: Der operative Cashflow sollte über mehrere Jahre mindestens Tilgung und Ersatzinvestitionen decken. Wer dauerhaft darunter liegt, finanziert sein laufendes Geschäft aus Substanz oder Fremdkapital.

Der Zusammenhang mit der Planung

Der Cashflow ist eine Rückschau. Er sagt, was war, nicht was kommt. Für die Frage, ob das Geld im November reicht, braucht es eine Vorschau mit Terminen — genau das ist der Unterschied zwischen Cashflow-Rechnung und Liquiditätsplanung.

Beide gehören zusammen: Der Cashflow der letzten zwölf Monate ist die beste Ausgangsbasis für die Planung der nächsten dreizehn Wochen, weil er zeigt, wie viel Geld das Geschäft typischerweise erzeugt und bindet.

Wie man daraus einen Plan macht, steht in der Anleitung in fünf Schritten.

Was der Cashflow nicht beantwortet

Der Cashflow ist die ehrlichste Größe der Auswertung — und trotzdem rückwärtsgewandt.

Er sagt nicht, ob morgen Geld da ist. Er misst einen abgeschlossenen Zeitraum. Für die Frage, ob am Fünfzehnten die Löhne gedeckt sind, braucht es eine Terminplanung.

Er sagt nicht, woran es liegt. Ein negativer operativer Cashflow kann aus Wachstum kommen, aus schlechter Zahlungsmoral oder aus einem Preisproblem. Die Zahl unterscheidet das nicht.

Er ist ohne Vergleich wenig wert. Ein einzelner Wert sagt kaum etwas; erst drei bis fünf Jahre nebeneinander zeigen, ob das Geschäft aus eigener Kraft trägt.

Der Gewinn sagt, ob sich das Geschäft gelohnt hat. Der Cashflow sagt, ob es sich das Unternehmen leisten kann. Zwischen beiden liegen Forderungen, Vorräte und Verbindlichkeiten — und genau dort entscheidet sich Zahlungsfähigkeit.

Wir hatten ein Jahr mit gutem Ergebnis und angespanntem Konto. Erklären konnte das niemand — bis wir die Veränderung der Forderungen danebengelegt haben. Danach war es offensichtlich.
Jens Hagel, Geschäftsführer der hagel IT-Services GmbH

Praktisches Vorgehen

  1. Einmal im Quartal rechnen. Monatlich ist zu volatil, jährlich zu spät.
  2. Die indirekte Methode nehmen. Sie braucht nur BWA und die Bestandsveränderungen aus der Summen- und Saldenliste.
  3. Tilgung, Investitionen und Entnahmen separat notieren. Erst dann ergibt sich die tatsächliche Kontoveränderung.
  4. Gegen den Kontostand prüfen. Bleibt eine Lücke, fehlt ein Posten — meist die Umsatzsteuer.

Wer es lieber ausprobiert als nachliest: Der Cashflow-Rechner zeigt beide Methoden nebeneinander und erklärt jede Zeile. Die Begriffe stehen im Kennzahlen-Glossar, der Zusammenhang mit der Auswertung unter BWA verstehen und in Warum deine BWA nicht zum Kontostand passt.

Was die Kennzahl über die Finanzierung sagt

Banken lesen den Cashflow zuerst. Nicht aus Misstrauen gegenüber dem Ergebnis, sondern weil der Cashflow die Frage beantwortet, die für einen Kreditgeber allein zählt: Erwirtschaftet dieses Unternehmen aus eigener Kraft genug Geld, um den Kapitaldienst zu leisten?

Das Ergebnis kann durch Bewertungsentscheidungen beeinflusst werden — durch die Nutzungsdauer einer Anlage, durch die Bewertung halbfertiger Arbeiten, durch die Höhe einer Rückstellung.

Der Cashflow kann das nicht, jedenfalls nicht in dieser Größenordnung. Er ist die robustere Zahl, und deshalb die, an der ein Rating hängt.

Daraus folgt eine praktische Konsequenz für jedes Bankgespräch: Wer den eigenen Cashflow der letzten drei Jahre kennt und erklären kann, warum er sich so entwickelt hat, führt ein anderes Gespräch als jemand, der nur den Jahresüberschuss vorträgt.

Besonders dann, wenn Ergebnis und Cashflow auseinanderlaufen — genau diese Erklärung will die Gegenseite hören, und sie ist fast immer harmlos, sobald man sie benennen kann.

Der häufigste Denkfehler bei Wachstum

Ein wachsendes Unternehmen hat systematisch einen niedrigeren Cashflow als ein stagnierendes mit demselben Ergebnis. Das ist keine Schwäche, sondern Arithmetik: Jeder zusätzliche Euro Umsatz erzeugt zunächst eine Forderung und erst später eine Einzahlung.

Wer um dreißig Prozent wächst, finanziert dreißig Prozent mehr Forderungsbestand vor — und zwar dauerhaft, nicht einmalig.

Der Fehler besteht darin, den daraus folgenden Liquiditätsdruck als Betriebsproblem zu deuten und an den Kosten zu sparen. Die richtige Antwort ist fast immer eine andere: kürzere Zahlungsziele, konsequenteres Mahnwesen oder eine Betriebsmittellinie, die zum Wachstum passt.

Das erkennt man nur, wenn man den Cashflow in seine Bestandteile zerlegt statt ihn als eine Zahl zu betrachten.

Beide Methoden zum Ausprobieren, mit Erklärung zu jeder Zeile — ohne Anmeldung.

Zum Cashflow-Rechner

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Cashflow?
Auf zwei Wegen. Indirekt aus dem Ergebnis: vorläufiges Ergebnis plus Abschreibungen, plus Zunahme der Rückstellungen und Verbindlichkeiten, minus Zunahme von Forderungen und Vorräten. Direkt aus den Zahlungen: Einzahlungen minus Auszahlungen des Zeitraums. Beide Wege führen zum selben Ergebnis. Die indirekte Methode lässt sich aus der BWA rechnen, die direkte braucht die Kontobewegungen.
Was ist der Unterschied zwischen Cashflow und Gewinn?
Der Gewinn folgt der Periodenabgrenzung, der Cashflow den tatsächlichen Zahlungen. Ein Betrieb kann Gewinn ausweisen und trotzdem Geld verlieren — etwa wenn Forderungen und Lagerbestände schneller wachsen als der Umsatz. Umgekehrt kann ein Verlustjahr positiven Cashflow haben, wenn hohe Abschreibungen das Ergebnis drücken, ohne dass Geld abfließt. Beide Größen beschreiben denselben Betrieb aus zwei Blickwinkeln.
Was ist der operative Cashflow?
Der Zahlungssaldo aus dem laufenden Geschäft, also ohne Investitionen und Finanzierung. Er ist die wichtigste der drei Cashflow-Größen, weil er zeigt, ob das eigentliche Geschäft Geld erwirtschaftet oder verbraucht. Ein Betrieb mit dauerhaft negativem operativem Cashflow finanziert sein Tagesgeschäft aus Krediten oder aus dem Verkauf von Substanz — beides trägt nicht lange.
Ist EBITDA dasselbe wie Cashflow?
Nein, und die Verwechslung ist teuer. EBITDA ignoriert Veränderungen bei Forderungen, Vorräten und Verbindlichkeiten — also genau die Posten, die Geld binden oder freisetzen. Ein wachsender Betrieb kann ein hohes EBITDA und gleichzeitig einen negativen operativen Cashflow haben, weil das Wachstum im Umlaufvermögen steckt. Ein hohes EBITDA bei leerem Konto ist die übliche Folge dieser Lücke.
Welche Berechnungsmethode soll ich nehmen?
Die indirekte, wenn nur die BWA vorliegt — sie ist daraus rechenbar und braucht keine zusätzlichen Daten. Die direkte, wenn die Kontobewegungen verfügbar sind: Sie ist ehrlicher, weil sie ausschließlich mit tatsächlichen Zahlungen arbeitet und keine Bewertungsspielräume kennt. Für den Einstieg reicht die indirekte Methode; wer sie einmal aufgesetzt hat, kann sie monatlich in wenigen Minuten wiederholen.
Was ist ein guter Cashflow-Wert?
Einen allgemeingültigen Zielwert gibt es nicht — entscheidend ist das Verhältnis zum eigenen Kapitaldienst. Der operative Cashflow sollte die Tilgung und die Ersatzinvestitionen dauerhaft decken. Bleibt danach nichts übrig, wächst der Betrieb nicht aus eigener Kraft. Aussagekräftig wird die Zahl erst im Vergleich über drei bis fünf Jahre, weil einzelne Jahre stark von Investitionszyklen geprägt sind.

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