Kennzahlen-Glossar
Jeder Begriff ist eine Zeile in deinen Zahlen.
21 Begriffe, jeweils in zwei Sätzen definiert — mit Formel, durchgerechnetem Beispiel und der Angabe, an welcher Stelle der Auswertung sie stehen. Plus die Fehldeutung, die am häufigsten vorkommt.
-
Anlagendeckungsgrad
Der Anlagendeckungsgrad zeigt, welcher Anteil des Anlagevermögens langfristig finanziert ist. Grad 1 rechnet nur mit dem Eigenkapital, Grad 2 zusätzlich mit dem langfristigen Fremdkapital.
Anlagendeckungsgrad 2 = (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) ÷ Anlagevermögen
-
Bilanzsumme
Die Bilanzsumme ist die Summe aller Vermögenswerte eines Unternehmens und zugleich die Summe aller Mittel, mit denen dieses Vermögen finanziert ist. Aktivseite und Passivseite sind deshalb immer gleich groß.
Bilanzsumme = Summe der Aktiva = Summe der Passiva
-
BWA
Die BWA (betriebswirtschaftliche Auswertung) ist eine monatliche Aufstellung auf Basis der laufenden Buchführung: Umsatz, Kosten nach Gruppen und das vorläufige Ergebnis. Sie ist keine Bilanz und kein Jahresabschluss, sondern eine Zwischenstandsmeldung.
-
Cashflow
Der Cashflow ist der Saldo aus Ein- und Auszahlungen eines Zeitraums. Anders als das Ergebnis der Erfolgsrechnung zeigt er, wie viel Geld tatsächlich geflossen ist.
Operativer Cashflow = Ergebnis + Abschreibungen ± Veränderung Working Capital
-
Debitorenlaufzeit
Die Debitorenlaufzeit gibt an, wie viele Tage im Mittel zwischen der Rechnungsstellung und dem Zahlungseingang liegen. Sie wird aus dem Bestand der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen im Verhältnis zum Umsatz gerechnet.
Debitorenlaufzeit = Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ÷ Umsatz × 365
-
Deckungsbeitrag
Der Deckungsbeitrag ist der Betrag, der nach Abzug der variablen Kosten vom Umsatz übrig bleibt und zur Deckung der Fixkosten beiträgt. Erst wenn alle Fixkosten gedeckt sind, entsteht Gewinn.
Deckungsbeitrag = Umsatz − variable Kosten
-
EBITDA
EBITDA ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization). Es zeigt die operative Ertragskraft unabhängig von Finanzierung und Investitionspolitik.
EBITDA = Betriebsergebnis + Abschreibungen
-
Eigenkapitalquote
Die Eigenkapitalquote setzt das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Sie zeigt, welcher Anteil des Vermögens dem Unternehmen selbst gehört und nicht seinen Gläubigern.
Eigenkapitalquote = Eigenkapital ÷ Bilanzsumme
-
Fremdkapitalquote
Die Fremdkapitalquote setzt das Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Sie zeigt, welcher Anteil des Vermögens von Gläubigern finanziert ist und irgendwann zurückgezahlt werden muss.
Fremdkapitalquote = Fremdkapital ÷ Bilanzsumme × 100
-
Gesamtkapitalrendite
Die Gesamtkapitalrendite setzt das Jahresergebnis zuzüglich der Zinsaufwendungen ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Sie zeigt, was das gesamte im Unternehmen gebundene Kapital erwirtschaftet hat — unabhängig davon, ob es von Gesellschaftern oder von Gläubigern stammt.
Gesamtkapitalrendite = (Jahresergebnis + Zinsaufwand) ÷ Bilanzsumme × 100
-
Gesamtleistung
Die Gesamtleistung ist der Umsatz eines Zeitraums zuzüglich der Bestandsveränderung an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie aktivierter Eigenleistungen. Sie bildet ab, was tatsächlich erarbeitet wurde — nicht nur, was abgerechnet wurde.
Gesamtleistung = Umsatzerlöse + Bestandsveränderung + aktivierte Eigenleistungen
-
Kapitalflussrechnung
Die Kapitalflussrechnung stellt dar, wie sich der Zahlungsmittelbestand eines Unternehmens in einem Zeitraum verändert hat, aufgeteilt nach operativer Tätigkeit, Investitionen und Finanzierung. Sie beantwortet die Frage, woher das Geld kam und wohin es ging.
Zahlungsmittelveränderung = operativer + Investitions- + Finanzierungs-Cashflow
-
Kreditorenlaufzeit
Die Kreditorenlaufzeit gibt an, wie viele Tage im Mittel zwischen dem Eingang einer Lieferantenrechnung und ihrer Bezahlung liegen. Sie wird aus dem Bestand der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen im Verhältnis zum Materialaufwand gerechnet.
Kreditorenlaufzeit = Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ÷ Materialaufwand × 365
-
Liquiditätsgrade
Die Liquiditätsgrade setzen unterschiedlich schnell verfügbare Vermögensteile ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Sie beantworten, ob ein Unternehmen seine kurzfristigen Zahlungspflichten aus vorhandenen Mitteln bedienen könnte.
Liquidität 1. Grades = flüssige Mittel ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten
-
OPOS
OPOS steht für „offene Posten“ — Rechnungen, die gestellt, aber noch nicht bezahlt sind. Die OPOS-Liste zeigt den Bestand dieser Forderungen und Verbindlichkeiten zu einem Stichtag.
-
Personalkostenquote
Die Personalkostenquote setzt die Personalkosten ins Verhältnis zur Gesamtleistung. Sie zeigt, wie stark die Wertschöpfung eines Unternehmens von der Arbeit seiner Beschäftigten abhängt.
Personalkostenquote = Personalkosten ÷ Gesamtleistung
-
Rohertrag
Der Rohertrag ist die Gesamtleistung eines Unternehmens abzüglich des Material- und Wareneinsatzes. Er zeigt, wie viel vom Umsatz übrig bleibt, bevor Personal- und sonstige Kosten abgezogen werden.
Rohertrag = Gesamtleistung − Material- und Wareneinsatz
-
Umsatzrentabilität
Die Umsatzrentabilität setzt das Ergebnis eines Zeitraums ins Verhältnis zum Umsatz desselben Zeitraums. Sie beantwortet, wie viel Cent von einem Euro Umsatz am Ende als Gewinn übrig bleiben.
Umsatzrentabilität = Jahresergebnis ÷ Umsatzerlöse
-
Verschuldungsgrad
Der Verschuldungsgrad setzt das Fremdkapital ins Verhältnis zum Eigenkapital. Er sagt, wie viel Euro Fremdkapital auf jeden Euro Eigenkapital entfallen — und damit, wie stark ein Unternehmen von seinen Gläubigern abhängt.
Verschuldungsgrad = Fremdkapital ÷ Eigenkapital × 100
-
Vorläufiges Ergebnis
Das vorläufige Ergebnis ist der rechnerische Überschuss oder Fehlbetrag einer unterjährigen Auswertung. Es ist ausdrücklich nicht der Gewinn, weil Abgrenzungen, Rückstellungen und oft auch Abschreibungen noch fehlen.
Vorläufiges Ergebnis = Rohertrag − Personalkosten − sonstige Kosten − Abschreibungen
-
Working Capital
Das Working Capital ist die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Es zeigt, welcher Teil des kurzfristig gebundenen Vermögens nicht durch kurzfristige Schulden finanziert ist.
Working Capital = Umlaufvermögen − kurzfristige Verbindlichkeiten
Kostenlos herunterladen · PDF, 14 Seiten
BWA-Lesehilfe
Deine BWA in 15 Minuten verstehen
- Warum kein Gesetz die BWA kennt — und was § 18 KWG stattdessen verlangt (Schwelle: 1,5 Mio. €, nicht die überall zitierten 750.000)
- Die Ergebnisbrücke lesen und fünf Kennzahlen rechnen — Bezugsgröße ist die Gesamtleistung, nicht der Umsatz
- Echte Vergleichswerte der Deutschen Bundesbank aus 74.238 Jahresabschlüssen, nach Branche und Umsatzgrößenklasse — als gewogene Durchschnitte
- Warum der Gesamtdurchschnitt täuscht: 13,5 % Personalaufwandsquote über alle, aber 31,4 % bei 2 bis 10 Mio. € Umsatz
