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Cashflow

Der Cashflow ist der Saldo aus Ein- und Auszahlungen eines Zeitraums. Anders als das Ergebnis der Erfolgsrechnung zeigt er, wie viel Geld tatsächlich geflossen ist.

Formel

Operativer Cashflow = Ergebnis + Abschreibungen ± Veränderung Working Capital

Zwei Wege zum selben Ergebnis

Indirekte Methode — Ausgangspunkt ist das Ergebnis aus der Erfolgsrechnung. Alles, was das Ergebnis beeinflusst hat, ohne Geld zu bewegen, wird herausgerechnet. Das ist der Weg, den Jahresabschlüsse gehen, und der einzige, der sich aus einer BWA nachvollziehen lässt.

Direkte Methode — es zählt nur, was auf dem Konto passiert ist. Ehrlicher, aber aufwendiger: Man braucht die Kontobewegungen, nicht nur die Auswertung.

Beispiel (indirekt)

PositionBetrag
Vorläufiges Ergebnis21.000 €
+ Abschreibungen9.000 €
+ Zunahme Rückstellungen2.000 €
− Zunahme Forderungen15.000 €
− Zunahme Vorräte8.000 €
+ Zunahme Verbindlichkeiten6.000 €
Operativer Cashflow15.000 €

Im Beispiel ergeben 21.000 € Ergebnis nur 15.000 € Cashflow — die Differenz steckt in offenen Rechnungen und im Lager.

Was die Bundesbank misst

Die Deutsche Bundesbank weist in ihrer Jahresabschlussstatistik „Jahresergebnis und Abschreibungen in Prozent des Umsatzes“ aus. Das ist der Praktiker-Cashflow: Ergebnis plus Abschreibungen, ohne die Veränderung des Working Capital.

⚠️ Das ist nicht das EBITDA. Zinsen und Steuern sind in dieser Zahl bereits abgezogen, hinzugerechnet werden nur die Abschreibungen. Wer sie neben eine EBITDA-Marge legt, vergleicht zwei verschiedene Größen. Und weil die Veränderung von Forderungen, Vorräten und Verbindlichkeiten fehlt, liegt sie in der Regel über dem operativen Cashflow aus dem Beispiel oben.

Über alle Wirtschaftszweige liegt der Median laut Bundesbank bei 6,8 % vom Umsatz, das untere Quartil bei 2,5 %, das obere bei 14 %.

Zwischen den Branchen ist die Spanne größer als jeder Unterschied zwischen zwei Betrieben derselben Branche:

WirtschaftszweigMedianmittlere Hälfte
Immobilienwirtschaft39,3 %20,2 – 66 %
Vermietung beweglicher Sachen29,7 %11,7 – 67,1 %
Energieversorgung17 %8 – 62,3 %
Pharmaindustrie14,4 %7,2 – 24,3 %
Steuerberatung und Unternehmensberatung11,3 %3,7 – 23 %
Landverkehr und Spedition10 %4 – 17,3 %
Ausbaugewerbe und Bauinstallation8,5 %4,3 – 15,1 %
IT-Dienstleister8,3 %3 – 17,5 %
Verarbeitendes Gewerbe6,8 %2,7 – 12,7 %
Einzelhandel4,4 %1,8 – 8,7 %
Großhandel3,9 %1,5 – 7,9 %
Personaldienstleister3,1 %0,1 – 7,2 %
Alle Wirtschaftszweige6,8 %2,5 – 14 %

Die Reihenfolge folgt der Kapitalbindung, nicht der Ertragskraft. Nach den Bundesbank-Werten steht die Immobilienwirtschaft mit 39,3 % oben, weil dort viel Anlagevermögen abgeschrieben wird und der Umsatz als Nenner klein ist. Personaldienstleister stehen mit 3,1 % unten, weil sie fast nichts besitzen, was sich abschreiben ließe. Ein Handelsbetrieb mit einstelliger Quote arbeitet deshalb nicht schlechter als ein Vermieter mit dreißig Prozent — er arbeitet anders.

Nach Umsatzgröße gestaffelt, aus derselben Erhebung:

10 %Median unter 2 Mio. € Umsatz (n = 13.621) — Bundesbank, Berichtsjahr 2024.
7 %Median bei 2 bis 10 Mio. € Umsatz (n = 15.575).
6 %Median bei 10 bis 50 Mio. € Umsatz (n = 14.635).
5 %Median ab 50 Mio. € Umsatz (n = 10.485).

Die Quote fällt mit der Größe, und sie fällt in jeder Klasse. Das liegt nicht an schlechterer Arbeit, sondern am Geschäft: Größere Unternehmen reichen mehr Handelsware und mehr Fremdleistung durch, und beides vergrößert den Umsatz als Nenner, ohne den Cashflow mitzuvergrößern.

Die Werte aller Wirtschaftszweige stehen unter Branchenkennzahlen; wie stark Abschreibungen die Quote treiben, zeigt das Blatt zur Immobilienwirtschaft.

Wer den eigenen Wert nicht selbst suchen will: Der Kennzahlen-Check nimmt eine eingetippte Kennzahl entgegen und stellt sie neben Median und Quartile der gewählten Branche und Größenklasse — ohne Konto und ohne Upload.

Wo steht das in deiner BWA?

Nicht als Zeile. Die Bausteine stehen dort (Ergebnis, Abschreibungen), die Veränderungen bei Forderungen, Vorräten und Verbindlichkeiten aber nur in der Summen- und Saldenliste oder im Jahresabschluss. Deshalb ist der Cashflow der Punkt, an dem die BWA allein nicht mehr reicht.

Die drei Posten, die regelmäßig fehlen

  1. Tilgung — zahlungswirksam, aber kein Aufwand. Sie gehört in den Finanzierungs-Cashflow und fehlt im operativen.
  2. Investitionen — der Maschinenkauf taucht im operativen Cashflow nicht auf, verschiebt aber den Kontostand erheblich.
  3. Privatentnahmen — in Personengesellschaften der am häufigsten übersehene Abfluss.

Verwandte Begriffe

Zur Abgrenzung siehe EBITDA und Kapitalflussrechnung. Für die Vorschau statt der Rückschau: Liquiditätsplanung.

Beide Methoden zum Ausprobieren, mit Erklärung zu jeder Zeile.

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