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Anlagendeckungsgrad

Der Anlagendeckungsgrad zeigt, welcher Anteil des Anlagevermögens langfristig finanziert ist. Grad 1 rechnet nur mit dem Eigenkapital, Grad 2 zusätzlich mit dem langfristigen Fremdkapital.

Formel

Anlagendeckungsgrad 2 = (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) ÷ Anlagevermögen

Die beiden Grade

Beide Kennzahlen prüfen dasselbe Prinzip: Langfristig gebundenes Vermögen soll langfristig finanziert sein. Sie unterscheiden sich nur darin, was als langfristig gilt.

GradFormelWas er prüft
1 (Deckungsgrad A)Eigenkapital ÷ Anlagevermögen × 100Ist das Anlagevermögen aus eigener Kraft bezahlt?
2 (Deckungsgrad B)(Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) ÷ Anlagevermögen × 100Passen Bindungsdauer und Finanzierungsdauer zusammen?

Grad 2 über 100 % heißt: Das Anlagevermögen ist vollständig langfristig finanziert, und ein Rest bleibt für das Umlaufvermögen. Diese Forderung heißt goldene Bilanzregel. Sie steht in keinem Gesetz.

Beispiel

Angenommen, ein Betrieb weist folgende Positionen aus:

PositionBetrag
Anlagevermögen600.000 €
Eigenkapital240.000 €
langfristiges Fremdkapital300.000 €

Daraus ergeben sich:

  • Grad 1: 240.000 ÷ 600.000 = 40 %
  • Grad 2: 540.000 ÷ 600.000 = 90 %

Im Beispiel heißt Grad 2 unter 100 %: 60.000 € des Anlagevermögens hängen an kurzfristigem Fremdkapital. Fällt der Kontokorrent weg, fehlt das Geld für eine Maschine, die zehn Jahre läuft.

Die Vergleichswerte, die tatsächlich belegt sind

Für Grad 1 gibt es keinen belegten Vergleichswert. Die Deutsche Bundesbank veröffentlicht keine Entsprechung, und in keiner Rechnungslegungsnorm steht eine Zahl. Wer hier eine nennt, nennt eine Meinung.

Für Grad 2 gibt es einen Anhaltspunkt. Die Bundesbank weist „Langfristig verfügbares Kapital in Prozent des Anlagevermögens“ aus — dieselbe Idee, etwas anders geschnitten: Ihr langfristiges Kapital enthält auch Pensionsrückstellungen, ihr Anlagevermögen auch langfristige Forderungen.

Über alle Wirtschaftszweige liegt der Median laut Bundesbank bei 178,7 %, das untere Quartil bei 96,6 %, das obere bei 488,2 %. Die mittlere Hälfte der Unternehmen reicht damit von knapp unter der goldenen Bilanzregel bis fast zum Fünffachen.

Zwischen den Branchen ist der Abstand größer als zwischen zwei Betrieben derselben Branche:

WirtschaftszweigMedianmittlere Hälfte
Personaldienstleister364 %132 – 1.341,7 %
Steuerberatung und Unternehmensberatung346,4 %125,2 – 1.457,1 %
Großhandel344,3 %144,1 – 1.155 %
IT-Dienstleister273,5 %92,7 – 1.024 %
Reparatur und Installation von Maschinen245,7 %120 – 652,3 %
Ausbaugewerbe und Bauinstallation238,8 %113,7 – 514,6 %
Verarbeitendes Gewerbe179,8 %105,1 – 363,4 %
Lebensmittelherstellung127,2 %75,4 – 222,6 %
Landverkehr und Spedition102,9 %71,6 – 155,7 %
Energieversorgung99,2 %81,2 – 121,3 %
Immobilienwirtschaft97,8 %69,9 – 110,5 %
Vermietung beweglicher Sachen95,6 %52,7 – 149,4 %
Alle Wirtschaftszweige178,7 %96,6 – 488,2 %
Ein sehr hoher Wert misst häufig den Nenner, nicht die Kapitalkraft. Bei „Reparatur und Installation von Maschinen“ steht der Median der Bundesbank bei 245,7 % — nicht, weil dort besonders viel langfristiges Kapital steht, sondern weil kaum Anlagevermögen in der Bilanz steht. Wer wenig besitzt, deckt es leicht. Dasselbe gilt für die Dienstleister an der Tabellenspitze. Umgekehrt liegen anlagenintensive Geschäftsmodelle wie Energieversorgung oder Vermietung nahe 100 %, ohne deshalb knapp finanziert zu sein.

Bei vier Wirtschaftszweigen liegt schon der Median unter 100 %. Das sind keine Ausreißer, sondern Geschäftsmodelle mit sehr großem Anlagevermögen. Eine Regel, die eine Branche geschlossen verfehlt, ist für diese Branche keine Regel.

Nach Umsatzgröße gestaffelt, aus derselben Erhebung:

171,3 %Median unter 2 Mio. € Umsatz (n = 13.621) — Bundesbank, Berichtsjahr 2024.
200,3 %Median bei 2 bis 10 Mio. € Umsatz (n = 15.575).
186,3 %Median bei 10 bis 50 Mio. € Umsatz (n = 14.635).
154,4 %Median ab 50 Mio. € Umsatz (n = 10.485).

Die Staffelung steigt nicht durchgängig: Am höchsten liegt der Median in der Klasse zwischen zwei und zehn Millionen Euro Umsatz, am niedrigsten in der größten Klasse. Wer sich einordnet, nimmt deshalb beides gleich geschnitten — Branche und Größenklasse.

Die Werte aller Wirtschaftszweige stehen unter Branchenkennzahlen; wie weit ein kleiner Nenner die Zahl trägt, zeigt das Blatt zu Reparatur und Installation von Maschinen.

Wer den eigenen Wert nicht selbst suchen will: Der Kennzahlen-Check nimmt eine eingetippte Kennzahl entgegen und stellt sie neben Median und Quartile der gewählten Branche und Größenklasse — ohne Konto und ohne Upload.

Wo steht das in Ihrer BWA?

Nirgends — die kurzfristige Erfolgsrechnung kennt keine Bestände. Beide Grade brauchen die Bilanz.

Dabei fällt eine Hürde auf: Langfristiges Fremdkapital ist keine Bilanzzeile. Die Passivseite nach § 266 Abs. 3 HGB gliedert Verbindlichkeiten nach Art, nicht nach Laufzeit.

Die Fristigkeit steht stattdessen im Restlaufzeitenvermerk nach § 268 Abs. 5 HGB: über und unter einem Jahr, je gesondert ausgewiesenem Posten.

Wer diesen Vermerk übergeht und stattdessen alle Bankverbindlichkeiten als langfristig ansetzt, rechnet Grad 2 systematisch zu gut.

Die häufigste Fehldeutung

„Grad 2 liegt über 100 %, also ist die Finanzierung solide.“ Die Zahl ist ein Stichtagswert und kennt nur eine einzige Grenze: ein Jahr. Ein Darlehen mit dreizehn Monaten Restlaufzeit zählt darin genauso als langfristig wie eines mit fünfzehn Jahren.

Zwölf Monate später ist derselbe Kredit kurzfristig — und der Deckungsgrad kippt, ohne dass sich etwas am Geschäft geändert hätte. Ob das Geld zum Fälligkeitstag da ist, beantwortet erst eine Planung mit Terminen.

Verwandte Begriffe

Die Finanzierungsseite erklärt die Eigenkapitalquote, die kurzfristige Sicht die Liquiditätsgrade. Termine statt Stichtage liefert die Liquiditätsplanung.

Yupana rechnet beide Deckungsgrade aus Ihrer Bilanz, trennt langfristiges und kurzfristiges Fremdkapital nach Restlaufzeit und zeigt den Verlauf über die Monate.

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