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Wie viele M365-Lizenzen zahlen Sie für Ausgeschiedene?

Verwaiste Lizenzen sind nicht dasselbe wie ungenutzte: Sie gehören Menschen, die das Haus verlassen haben. So findet man sie und so wird man sie los.

Jens Hagel9 Min. Lesezeit
Wand aus Schließfächern, an fast jeder Tür hängt ein Zahlenschloss

Inhalt in Kürze

  • Verwaist heißt: hinter dem Konto steht keine beschäftigte Person mehr. Ungenutzt heißt: die Person ist da und benutzt es nicht.
  • Der häufigste verwaiste Zustand ist „gesperrt und trotzdem lizenziert“ — Sperren kostet nichts, Entziehen spart.
  • Microsoft hält ein gelöschtes Konto dreißig Tage zur Wiederherstellung vor; danach ist das Postfach nur mit vorher gesetztem Halteraum erhalten.
  • Ein freigegebenes Postfach speichert laut Microsoft bis zu 50 GB ohne Lizenz.
  • Der wirksamste Eingriff ist kein Aufräumen, sondern eine Zeile in der Austritts-Checkliste.

Beim Austritt denkt jeder an Schlüssel, Laptop und Zugangskarte. Die Lizenz steht auf keiner dieser Listen, weil sie niemandem im Weg liegt.

Sie läuft weiter, still und in gleicher Höhe, und fällt erst auf, wenn jemand die Rechnung mit der Personalliste vergleicht. Das ist ein Vormittag Arbeit, und es ist der unstrittigste Teil jeder Lizenzbereinigung.

Verwaist ist etwas anderes als ungenutzt

Eine verwaiste Lizenz ist einem Konto zugewiesen, hinter dem keine beschäftigte Person mehr steht. Eine ungenutzte Lizenz gehört jemandem, der noch da ist und sie nur nicht öffnet.

Der Unterschied klingt nach Wortklauberei und entscheidet über den Aufwand. Bei einer ungenutzten Lizenz ist die Klärung ein Gespräch: Braucht die Person das noch, vielleicht saisonal, vielleicht für einen Vertretungsfall?

Bei einer verwaisten Lizenz gibt es niemanden, den man fragen könnte. Sie ist eindeutig überflüssig, und die einzige offene Frage lautet, was mit den Daten geschieht.

Deshalb lohnt es sich, mit ihnen anzufangen. Der ausführliche Weg für den zweiten Fall — zugewiesen, aber seit Wochen nicht benutzt — steht unter ungenutzte Lizenzen finden.

Warum die Lizenz bleibt, obwohl die Person weg ist

Drei Ursachen erklären fast alle Fälle, und keine davon ist Nachlässigkeit.

Das Postfach wird noch gebraucht. Kunden schreiben weiter an die alte Adresse, im Postfach liegen Vorgänge, die niemand verlieren will. Also bleibt es „erst mal“ — und erst mal dauert im Schnitt länger als geplant.

Zuweisung und Abonnement sind zwei Dinge. Wer die Lizenz entzieht, gibt den Platz frei; bezahlt wird er trotzdem weiter, bis die Anzahl im Abonnement reduziert wird. Diese zweite Handlung passiert oft nie.

Niemand ist zuständig. Der Austritt läuft über die Personalabteilung, die Lizenz über die IT, die Rechnung über die Buchhaltung. Jeder der drei sieht ein Drittel des Vorgangs.

Am längsten überleben verwaiste Lizenzen dort, wo die Rechnung als Summe kommt. Eine Position „Microsoft 365, 48 Plätze“ verrät nicht, welche Namen dahinterstehen — und ohne Namen fällt ein fehlender Mensch nicht auf.

Die vier Zustände eines Kontos nach dem Austritt

Ein Konto kann nach dem letzten Arbeitstag in vier Zuständen sein. Nur einer davon ist kostenfrei, und nur zwei sind datenschutzrechtlich sauber.

ZustandZugangKosten
Aktiv und lizenziertoffenvolle Lizenz
Gesperrt und lizenziertzuvolle Lizenz
Gelöscht, Postfach freigegebenüber Berechtigungkeine, bis 50 GB
Gelöscht ohne Vorkehrungkeinerkeine, Daten weg

Zustand zwei ist der Normalfall und zugleich der teuerste Irrtum: Das Sperren fühlt sich nach Erledigung an, und die Lizenz läuft weiter.

Zustand drei ist das Ziel für fast alle Fälle. Die Adresse bleibt erreichbar, Kollegen kommen an die Vorgänge, und der Platz kostet nichts mehr.

Zustand vier ist nur dann in Ordnung, wenn vorher jemand geprüft hat, dass im Postfach nichts Aufbewahrungspflichtiges liegt. Diese Prüfung dauert Minuten und lässt sich nach der Löschung nicht nachholen.

Garderobenleiste an einer Wand, nur an einem Haken hängt noch ein Tuch
Der Platz bleibt reserviert, auch wenn niemand mehr kommt: Gesperrt heißt nicht abbestellt, und bezahlt wird bis zur nächsten Verlängerung.

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So finden Sie sie an einem Vormittag

Zwei Abgleiche genügen, und beide brauchen keine Werkzeuge über das hinaus, was ohnehin da ist.

Abgleich eins: Personalliste gegen Verzeichnis. Die Austritte der letzten zwölf Monate neben die Liste der Konten legen. Jeder Treffer ist ein Fall, unabhängig davon, ob das Konto gesperrt ist.

Abgleich zwei: gesperrt und lizenziert. Diese Kombination lässt sich im Verzeichnis direkt filtern. Sie findet auch die Fälle, die in keiner Personalliste stehen — Praktikanten, Aushilfen, externe Kräfte.

Ergänzend hilft das Anmeldedatum. Die Graph-Ressource signInActivity liefert je Konto die letzte Anmeldung; Microsoft nennt für ein inaktives Konto ein angemessenes Fenster von neunzig bis hundertachtzig Tagen.

Ein leeres Feld ist dabei kein Beweis. Es bedeutet nur, dass Microsoft keine Anmeldung kennt — bei Funktionspostfächern und Dienstkonten ist das der Normalzustand.

Ein Beispiel für die Größenordnung: Drei Konten, die neun Monate nach dem Austritt weiterliefen, ergeben bei einem Listenpreis von 19,06 € je Person und Monat (Stand: August 2026) rund 515 € — für nichts.

30 Tagebleibt ein gelöschtes Konto laut Microsoft wiederherstellbar.
50 GBspeichert ein freigegebenes Postfach ohne zugewiesene Lizenz.
8 JahreAufbewahrung für Buchungsbelege nach § 147 AO.

Warum man das Postfach nicht einfach löscht

Der schnelle Weg wäre, das Konto zu löschen und die Lizenz freizugeben. Er ist in zwei Richtungen riskant.

Rechtlich: Was im Postfach an Rechnungen und Geschäftskorrespondenz liegt, ist aufbewahrungspflichtig. § 147 AO nennt acht Jahre für Buchungsbelege und sechs Jahre für empfangene Handels- und Geschäftsbriefe.

Technisch: Microsoft hält ein gelöschtes Konto dreißig Tage zur Wiederherstellung vor. Danach bleibt das Postfach nur erhalten, wenn vor der Löschung ein Halteraum oder eine Aufbewahrungsrichtlinie darauf lag.

Die Reihenfolge ist deshalb festgelegt und nicht verhandelbar: erst entscheiden, was mit den Inhalten passiert, dann löschen. Wie die Belege dabei geordnet ins Archiv kommen, steht unter Eingangsrechnungen digitalisieren.

Ein Postfach mit laufender Lizenz als Archiv zu benutzen, ist der bequemste und schlechteste Weg. Es kostet jeden Monat den vollen Platz, die Inhalte sind trotzdem nicht revisionssicher abgelegt, und niemand weiß nach zwei Jahren mehr, warum das Konto noch existiert. Aufbewahrung gehört in ein Archivsystem, nicht in ein Postfach.

Das freigegebene Postfach ist der Weg, der nichts kostet

Für den häufigsten Fall — die Adresse soll erreichbar bleiben, die Person ist weg — gibt es einen Weg ohne laufende Kosten.

Ein Postfach lässt sich in ein freigegebenes Postfach umwandeln. Nach Angabe von Microsoft speichert es bis zu 50 GB, ohne dass ihm eine Lizenz zugewiesen werden muss.

Zwei Kollegen bekommen Zugriff, die Adresse bleibt erreichbar, der Platz kostet nichts. Eine Lizenz wird erst wieder nötig, wenn das Postfach über die Grenze wächst, ein Archivpostfach nutzt oder unter ein Beweissicherungsverfahren fällt.

Diese Umwandlung ist der Grund, warum die Frage „Wir brauchen das Postfach noch“ fast nie ein Argument für eine laufende Lizenz ist.

Der eine Schritt, der das Problem verhindert, statt es zu finden

Ein Aufräumdurchgang hält etwa ein Jahr. Danach ist der Bestand wieder gewachsen, weil Menschen gehen und niemand daran denkt.

Wirksam ist deshalb nicht die Suche, sondern eine Zeile im Austrittsverfahren. Wo ein Punkt „Lizenz zuweisen“ im Eintritt steht, gehört ein Punkt „Lizenz entziehen und Abonnement anpassen“ in den Austritt.

  • Konto sperren — das ist die Sicherheitsmaßnahme, nicht die Kostenmaßnahme.
  • Entscheiden, was mit dem Postfach geschieht: übernehmen, umwandeln, archivieren.
  • Lizenz entziehen und die Anzahl im Abonnement zum Verlängerungstermin reduzieren.
  • Zusatzpakete getrennt prüfen — sie hängen nicht immer am Hauptplan.
  • Austrittsdatum notieren, damit der nächste Abgleich eine Kontrollzahl hat.

Der letzte Punkt der Liste ist der, an dem es hakt: Das Abonnement lässt sich meist erst zum Verlängerungstermin verkleinern. Was das für die Terminplanung heißt, steht unter Microsoft-365-Lizenzkosten senken.

„Das macht doch unser Dienstleister“ — und der Betrag, der zu klein sein soll

„Das macht unser Dienstleister beim Offboarding.“ Er sperrt das Konto, weil das die Sicherheitsaufgabe ist. Ob die Lizenz entzogen und das Abonnement verkleinert wird, ist eine Kostenentscheidung — und die trifft niemand außerhalb des Unternehmens von selbst. · „Ein paar Konten sind kein Thema.“ Ein Konto ist kein Thema, zwölf Monate lang schon: Drei Plätze Business Premium ergeben bei 19,06 € je Person und Monat (Stand: August 2026) rund 686 € im Jahr.

Der eigentliche Wert liegt ohnehin nicht im Betrag. Ein Konto ohne Person ist auch ein Sicherheitsthema — es hat Rechte, aber niemanden, der merkt, wenn sich damit jemand anmeldet.

Was dieser Abgleich nicht leistet

Er ersetzt kein Berechtigungskonzept. Verwaiste Konten sind ein Symptom. Wer Zugänge und Rechte nicht regelmäßig überprüft, findet beim nächsten Mal dieselbe Liste — nur länger.

Er sagt nichts über Fremdsysteme. Neben Microsoft 365 hängen an derselben Person Zugänge zu Fachanwendungen, Portalen und Werkzeugen, die kein Verzeichnis kennt. Sie tauchen nur in der Buchhaltung auf; der Weg dorthin steht unter Lizenz-Audit in einem Tag.

Aufräumen bleibt Ihre Entscheidung. Der Abgleich liefert eine Liste von Kandidaten. Welche Konten Sie ändern und was Sie abbestellen, entscheiden Sie.

Wenn jemand geht, denkt man an den Schlüssel und an den Laptop. An die Lizenzen denkt man beim übernächsten Mal.
Jens Hagel, Mitgründer der frag.hugo Informationssicherheit GmbH

Ob der Abgleich im Ergebnis ankommt, zeigt die BWA. Yupana Controlling stellt die Softwarekosten jeden Monat neben den Plan und führt jeden Betrag bis zur einzelnen Buchung — sinkt die Microsoft-Rechnung nach der Verlängerung nicht, fällt das im Soll-Ist auf.

Verwaiste Lizenzen sind der einzige Teil einer Lizenzbereinigung, über den sich niemand streiten kann — und genau deshalb der beste Anfang. Sie entstehen nicht durch falsche Entscheidungen, sondern durch eine fehlende Zeile im Austrittsverfahren.

Was Yupana Controlling kostet, steht offen unter Preise.

Wo diese Kosten in Ihrer BWA stehen und was jede Zeile bedeutet — Zeile für Zeile erklärt, als PDF.

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Häufige Fragen

Was ist eine verwaiste Lizenz?
Eine Lizenz, die einem Konto zugewiesen ist, hinter dem keine beschäftigte Person mehr steht. Sie unterscheidet sich von einer ungenutzten Lizenz: Die gehört jemandem, der noch im Haus ist und sie nur nicht benutzt. Bei der verwaisten Lizenz ist die Frage nicht, ob jemand sie braucht, sondern warum sie nach dem Austritt niemand entzogen hat. Das ist ein Prozessfehler, kein Bedarfsproblem.
Wie finde ich verwaiste Benutzerkonten in Microsoft 365?
Über zwei Abgleiche. Erstens: Personalliste gegen Verzeichnis — wer ist ausgetreten und hat noch ein Konto? Zweitens: gesperrte Konten mit zugewiesener Lizenz, denn genau diese Kombination entsteht beim Austritt regelmäßig. Ergänzend hilft ein leeres oder sehr altes Anmeldedatum. Beide Abgleiche dauern zusammen keine halbe Stunde, wenn beide Listen vorliegen.
Was passiert mit dem Postfach, wenn ein Konto gelöscht wird?
Microsoft hält ein gelöschtes Benutzerkonto dreißig Tage lang zur Wiederherstellung vor. Danach wird das Postfach nur dann als inaktives Postfach aufbewahrt, wenn vor der Löschung ein Beweissicherungsverfahren oder eine Aufbewahrungsrichtlinie darauf lag. War das nicht der Fall, sind die Inhalte weg. Deshalb steht die Entscheidung über die Aufbewahrung vor dem Löschen und nicht danach.
Muss man E-Mails ausgeschiedener Mitarbeiter aufbewahren?
Soweit sie steuerlich oder handelsrechtlich relevant sind, ja. § 147 AO verlangt für Buchungsbelege acht Jahre und für empfangene Handels- und Geschäftsbriefe sechs Jahre Aufbewahrung; auf das Medium kommt es nicht an. Eine Rechnung im Postfach ist damit aufbewahrungspflichtig. Sauberer als ein weiterlaufendes Postfach ist der geordnete Weg: Belege ins Archivsystem, Postfach danach schließen.
Kostet ein freigegebenes Postfach eine Lizenz?
Bis fünfzig Gigabyte nicht. Microsoft nennt für ein freigegebenes Postfach eine Grenze von 50 GB, bis zu der keine Lizenz zugewiesen werden muss. Eine Lizenz wird erst nötig, wenn das Postfach größer wird, ein Archivpostfach nutzt oder unter ein Beweissicherungsverfahren fällt. Für ein übernommenes Postfach eines Ausgeschiedenen ist die Umwandlung deshalb in den meisten Fällen der kostenfreie Weg.
Wie lange bleiben verwaiste Lizenzen im Schnitt bestehen?
Dazu gibt es keine belastbare Erhebung, und geschätzte Quoten helfen niemandem. Aussagekräftig ist nur der eigene Befund. Nach unserer Beobachtung entscheidet weniger die Betriebsgröße als der Austrittsprozess: Wo das Entziehen der Lizenz ein eigener Punkt auf einer Checkliste ist, entstehen kaum verwaiste Konten. Wo es an Erinnerung hängt, bleiben sie oft bis zum nächsten Aufräumen bestehen.
Reicht es, das Konto zu sperren?
Für die Sicherheit ja, für die Kosten nein. Ein gesperrtes Konto kann sich niemand mehr anmelden, die zugewiesene Lizenz bleibt aber bezahlt. Genau diese Kombination — gesperrt und lizenziert — ist der häufigste verwaiste Zustand. Beim Austritt gehören deshalb zwei Handgriffe zusammen: Konto sperren und Lizenz entziehen, dazu die Entscheidung, was mit dem Postfach geschieht.
Was ist der Unterschied zwischen verwaisten und ungenutzten Lizenzen?
Der Mensch dahinter. Eine ungenutzte Lizenz gehört jemandem, der noch da ist und sie seit Wochen nicht geöffnet hat — die Klärung ist ein Gespräch. Eine verwaiste Lizenz gehört niemandem mehr; sie ist eindeutig überflüssig und braucht keine Diskussion, nur einen Handgriff. Deshalb lohnt es sich, beim Aufräumen mit den verwaisten anzufangen: Sie sind der schnellste und unstrittigste Teil.
Wer entzieht die Lizenz, wenn ein Dienstleister die Administration macht?
Zuständig ist, wer die Administratorrechte hat — nicht zwangsläufig, wer die Rechnung bezahlt. So entsteht die Lücke: Im Haus fällt der Betrag auf, aber die Lizenz lässt sich nicht entziehen; beim Dienstleister ginge es, nur sieht dort niemand den Anlass. Legen Sie fest, wer den Austritt an wen meldet und bis wann die Lizenz weg sein muss.

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