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BWA verstehen

der Yupana-Podcast

Folge 04

Deckungsbeitrag: Was Ihr Produkt wirklich bringt

13 Min. 5 Kapitel

Deckungsbeitrag statt Umsatz: So sehen Sie, welche Aufträge Ihrem Betrieb wirklich Geld bringen, und rechnen es je Monteurstunde nach. Danach kennen Sie Ihre Gewinnschwelle und wissen, warum fünf Prozent Rabatt den ganzen Monatsgewinn kosten können. Testen Sie Yupana 14 Tage kostenlos und sehen Sie Ihre Kennzahlen auf einen Blick.

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Umsatz ist nicht Ertrag

Tom : Ich schreibe jedes Jahr mehr Rechnungen. Trotzdem bleibt am Ende kaum mehr übrig, und ich weiß nicht, welche Aufträge daran schuld sind.

Ines : Genau das zeigt Ihnen der Deckungsbeitrag. Heute rechnen wir für drei typische Entscheidungen nach, was ein Auftrag Ihrem Betrieb wirklich bringt.

Tom : Was ist der Deckungsbeitrag überhaupt genau?

Ines : Der Erlös minus die variablen Kosten. Variabel heißt: Diese Kosten entstehen nur, weil Sie den Auftrag machen.

Ines : Was übrig bleibt, deckt zuerst die festen Kosten. Erst danach entsteht Gewinn.

Tom : Und was ist bei mir variabel, was fest?

Ines : Variabel sind vor allem Material und Fremdleistungen, also Arbeit, die Sie bei Subunternehmern einkaufen. Beides zählt im Handelsgesetzbuch zum Materialaufwand.

Ines : Fest sind Miete, Fahrzeuge, Büro und bei Ihnen auch die Löhne der Monteure. Die zahlen Sie jeden Monat, egal wie viele Aufträge Sie haben.

Tom : Wozu brauche ich die Trennung, wenn am Ende sowieso alles bezahlt werden muss?

Ines : Weil sich bei einer Entscheidung nur ändert, was variabel ist. Ob Sie einen Auftrag annehmen oder nicht, die Miete zahlen Sie trotzdem.

Tom : Das klingt nach dem Rohertrag aus der BWA.

Ines : Fast. Der Rohertrag ist das, was nach dem Material übrig bleibt, um alle anderen Kosten zu decken.

Ines : Wenn Ihre Löhne fest sind, ist der Rohertrag für den ganzen Betrieb Ihr Deckungsbeitrag.

Tom : Und wenn ich für eine Baustelle Leiharbeiter hole?

Ines : Dann entstehen diese Kosten nur wegen dieses Auftrags. Sie sind variabel und gehören in seinen Deckungsbeitrag.

Ines : Die BWA sagt Ihnen aber nur die Summe. Welcher Auftrag wie viel beiträgt, steht dort nicht.

Tom : Muss ich dafür eine eigene Kostenrechnung einführen?

Ines : Für den Anfang nicht. Es reichen Ihre BWA, die Stundenzettel und die Eingangsrechnungen, die Ihr Büro ohnehin ablegt.

Tom : Dann rechnen Sie es mir mit meinem Betrieb vor.

Ines : Wieder unser Beispielbetrieb, alle Beträge sind ein Rechenbeispiel. Dreihundertdreißigtausend Euro Gesamtleistung im Monat, hundertfünfzehntausendfünfhundert Euro Material.

Ines : Bleiben zweihundertvierzehntausendfünfhundert Euro Deckungsbeitrag, das sind fünfundsechzig Prozent. Personal, übrige Kosten und Zinsen machen zusammen hundertneunundneunzigtausendfünfhundert Euro fest.

Tom : Und unterm Strich die fünfzehntausend Euro Gewinn aus der BWA.

Ines : Genau. Jetzt die drei typischen Fehler, bei denen dieser Unterschied Geld kostet.

Fall 1: Den größten Auftrag wählen

Tom : Ich habe zwei Anfragen auf dem Tisch: einen Neubau für achtundvierzigtausend Euro und eine Altbausanierung für achtzehntausend. Natürlich nehme ich den Neubau.

Ines : Rechnen wir erst: Beim Neubau gehen sechsundzwanzigtausendvierhundert Euro für Material und Subunternehmer weg.

Ines : Bleiben einundzwanzigtausendsechshundert Euro Deckungsbeitrag.

Ines : Bei der Sanierung sind es fünftausendvierhundert Euro Material. Bleiben zwölftausendsechshundert Euro.

Tom : Also bringt der Neubau deutlich mehr.

Ines : In Euro ja. Aber was ist bei Ihnen knapp, Aufträge oder Monteure?

Tom : Monteure. Ich könnte mehr Aufträge annehmen, wenn ich die Leute hätte.

Ines : Dann zählt der Deckungsbeitrag je Monteurstunde. In der Betriebswirtschaft heißt das relativer Deckungsbeitrag: Vorrang hat, was je Einheit des Engpasses am meisten bringt.

Ines : Der Neubau braucht vierhundertachtzig Stunden, die Sanierung hundertachtzig. Das sind fünfundvierzig Euro je Stunde beim Neubau und siebzig Euro bei der Sanierung.

Tom : Pro Stunde rechne ich bei beiden hundert Euro Umsatz ab. Wie kann da so viel Unterschied sein?

Ines : Weil im Neubau mehr Material und mehr Subunternehmer stecken. Der Umsatz je Stunde ist gleich, aber vom Neubau bleibt Ihnen weniger.

Tom : Und ab wann ist eine Stunde gut oder schlecht?

Ines : Teilen Sie Ihre festen Kosten durch die verkauften Stunden. Im Beispiel arbeiten dreißig Monteure, zusammen rund viertausend verkaufte Stunden im Monat.

Ines : Hundertneunundneunzigtausendfünfhundert Euro durch viertausend Stunden sind knapp fünfzig Euro. So viel muss jede Stunde mindestens hereinholen.

Tom : Dann liegt der Neubau mit fünfundvierzig Euro darunter.

Ines : Ja. Über vierhundertachtzig Stunden fehlen Ihnen rund zweitausenddreihundert Euro zur Deckung der festen Kosten.

Ines : Die Sanierung liegt dagegen gut dreitausendsechshundert Euro darüber.

Tom : Beim Neubau verdiene ich aber am Material mit. Ich schlage ja auf jeden Einkauf etwas drauf.

Ines : Dieser Aufschlag steckt schon in den fünfundvierzig Euro. Reicht er nicht, prüfen Sie ihn gegen Ihre aktuellen Einkaufspreise, bevor Sie das nächste Angebot schreiben.

Tom : Soll ich Neubauten also ablehnen?

Ines : Nicht pauschal. Haben Sie im Januar Leerlauf, bringt der Neubau einundzwanzigtausendsechshundert Euro, die sonst ganz fehlen würden.

Ines : Sind Ihre Leute dagegen ausgelastet und gibt es genug Sanierungen, kostet jede Neubaustunde fünfundzwanzig Euro.

Ines : Über den ganzen Auftrag sind das zwölftausend Euro, die Ihnen dieselben Monteure in Sanierungen mehr gebracht hätten.

Tom : Und woher weiß ich die Stunden, bevor der Auftrag fertig ist?

Ines : Vorher aus der Angebotskalkulation, danach aus der Nachkalkulation. Ein Merkblatt für Mandanten von Steuerberatern rät, sie bei Einzelaufträgen nach jedem Auftrag zu machen.

Ines : Die Stunden kommen aus den Stundenzetteln, das Material aus den Lieferscheinen und Eingangsrechnungen.

Tom : Und was kostet mich das an Zeit?

Ines : Liegen Stundenzettel und Rechnungen geordnet vor, ist das je Auftrag eine einfache Rechnung in einer Tabelle. Aufwendig wird es nur, wenn Stunden keinem Auftrag zugeordnet sind.

Tom : Wer soll das machen? Meine Bauleiter haben dafür keine Zeit.

Ines : Das Büro rechnet, der Bauleiter liefert die Stunden. Sie bekommen einmal im Monat eine Liste, sortiert nach Deckungsbeitrag je Stunde.

Ines : Nach drei Monaten sehen Sie, welche Auftragsarten oben stehen. Danach richten Sie Angebote und Preise aus.

Fall 2: Rabatt aus dem Bauch

Tom : Ein Bauträger will auf alles fünf Prozent Nachlass, dann bekomme ich alle seine Projekte. Fünf Prozent weniger Umsatz, das halte ich aus.

Ines : Rechnen wir so, als gälte der Nachlass für Ihren ganzen Monat. Fünf Prozent von dreihundertdreißigtausend Euro sind sechzehntausendfünfhundert Euro weniger Erlös.

Ines : Material und Löhne bleiben gleich hoch. Der ganze Nachlass fehlt also direkt im Deckungsbeitrag.

Tom : Und was bleibt dann vom Gewinn?

Ines : Aus fünfzehntausend Euro Gewinn werden fünfzehnhundert Euro Verlust. Fünf Prozent Rabatt kosten Sie hier den ganzen Monatsgewinn.

Tom : Aber ich bekomme ja mehr Aufträge. Wie viel mehr müsste ich arbeiten?

Ines : Gut acht Prozent mehr Aufträge, nur um beim alten Gewinn zu landen. Bei Ihnen sind das über dreihundert zusätzliche Monteurstunden im Monat.

Tom : Die Stunden habe ich gar nicht. Wie viel Umsatz darf mir überhaupt wegbrechen, bevor es kippt?

Ines : Dafür gibt es die Gewinnschwelle. Sie teilen die festen Kosten durch die Deckungsbeitragsquote.

Ines : Hundertneunundneunzigtausendfünfhundert Euro geteilt durch fünfundsechzig Prozent sind rund dreihundertsiebentausend Euro. Darunter machen Sie Verlust.

Tom : Ich liege bei dreihundertdreißigtausend. Das ist ja nicht viel Luft.

Ines : Rund sieben Prozent, aber nur, wenn die Menge sinkt und die Preise bleiben. Beim Preis selbst sind es nur gut viereinhalb Prozent: fünfzehntausend Euro Gewinn geteilt durch dreihundertdreißigtausend.

Tom : Gibt es eine Grenze, unter die ich nie gehen darf?

Ines : Es gibt zwei: Die langfristige Preisuntergrenze deckt alle Kosten, aber noch keinen Gewinn. Die kurzfristige deckt nur die direkten Kosten des Auftrags.

Ines : Bei Ihnen also Material, Fremdleistungen und Löhne, die der Auftrag zusätzlich auslöst, etwa Überstunden. Feste Kosten trägt so ein Preis nicht einmal anteilig.

Tom : Wann ist die kurzfristige Grenze vertretbar?

Ines : Nur vorübergehend, im Notfall oder mit klarem Ziel. Dasselbe Merkblatt nennt als Beispiel einen Sonderpreis gegen die feste Zusage, später mehr zu normalen Preisen abzunehmen.

Tom : Der Bauträger sagt, er zahlt dafür schneller. Zählt das nicht auch?

Ines : Schnellere Zahlung hilft Ihrem Kontostand, nicht Ihrem Deckungsbeitrag. Die sechzehntausendfünfhundert Euro fehlen trotzdem jeden Monat im Ergebnis.

Tom : Und was sage ich dem Bauträger?

Ines : Rabatt nur gegen eine Gegenleistung, die den Deckungsbeitrag zurückholt, etwa eine feste Mindestabnahme im Jahr. Oder Sie kürzen die Leistung statt den Preis.

Ines : Rechnen Sie vor jedem Nachlass, wie viele Stunden ihn wieder hereinholen müssen. Diese eine Zahl beendet die meisten Rabattgespräche.

Fall 3: Die Sparte, die nichts bringt

Tom : Meine Spartenrechnung sagt, die Photovoltaik verliert jeden Monat Geld. Ich überlege, sie einzustellen.

Ines : Schauen wir, wie die Rechnung entsteht. Im Beispiel macht die Photovoltaik sechzigtausend Euro Umsatz im Monat.

Ines : Module und Material kosten neununddreißigtausend Euro. Bleiben einundzwanzigtausend Euro Deckungsbeitrag.

Tom : Und dann die Leute.

Ines : Genau, das ist die zweite Stufe. Drei Monteure kosten Sie mit allen Nebenkosten rund zwölftausendsechshundert Euro, Fahrzeug und Gerüst noch einmal vierzehnhundert.

Ines : Nach diesen Kosten der Sparte bleiben siebentausend Euro. Die Sparte trägt also siebentausend Euro zu den gemeinsamen Kosten bei.

Tom : Und wo kommt dann der Verlust her?

Ines : Aus der Umlage. Büro, Meister, Miete und Versicherungen kosten im Beispiel einundsechzigtausendsechshundert Euro, verteilt nach Umsatzanteil.

Ines : Auf die Photovoltaik entfallen damit elftausendzweihundert Euro. Siebentausend minus elftausendzweihundert, schon steht dort ein Minus von viertausendzweihundert Euro.

Tom : Und wer legt fest, nach welchem Schlüssel verteilt wird?

Ines : Meist das Büro oder die Kanzlei, oft einfach nach Umsatz. Jeder Schlüssel verschiebt die gemeinsamen Kosten nur, keiner senkt sie.

Tom : Dann spare ich die viertausendzweihundert Euro, wenn ich sie zumache.

Ines : Nein. Büro, Miete und Meister bleiben, die elftausendzweihundert Euro verteilen Sie nur auf die anderen Sparten.

Ines : Wegfallen würden nur die siebentausend Euro, die die Sparte beiträgt. Ihr Gewinn sinkt von fünfzehntausend auf achttausend Euro.

Tom : Und wenn ich die drei Monteure behalte und woanders einsetze?

Ines : Wenn es dort keine zusätzlichen Aufträge für sie gibt, fehlen sogar die vollen einundzwanzigtausend Euro. Dann stehen Sie bei minus sechstausend Euro im Monat.

Tom : Ich könnte den Monteuren ja kündigen.

Ines : Das geht nicht von heute auf morgen. Nach Paragraf sechshundertzweiundzwanzig BGB steigt die Kündigungsfrist des Arbeitgebers mit der Betriebszugehörigkeit, nach zwanzig Jahren auf sieben Monate.

Ines : Und ein geleastes Fahrzeug zahlen Sie in der Regel bis zum Vertragsende. Die Kosten fallen also erst Monate später weg, die Erlöse sofort.

Tom : Wann sollte ich eine Sparte dann wirklich aufgeben?

Ines : Wenn die zweite Stufe dauerhaft negativ ist und die Kosten wirklich wegfallen. Vorher prüfen Sie Preise, Material und ob die Sparte andere Aufträge mitbringt.

Tom : Wie oft sollte ich so eine Rechnung nach Sparten machen?

Ines : Einmal im Quartal reicht, auf Basis der Nachkalkulationen. Ein einzelner Monat mit einer großen Anlage verzerrt das Bild.

Tom : Die Photovoltaik bringt mir tatsächlich oft die Elektrik im ganzen Haus.

Ines : Dann zieht sie Kunden an, so wie die Brötchen beim Bäcker. Rechnen Sie diese Folgeaufträge mit, bevor Sie entscheiden.

Ines : Wichtig ist der Aufbau in Stufen. Erst Erlös minus Material, dann minus die Kosten der Sparte, ganz zum Schluss die gemeinsamen Kosten.

Zum Mitnehmen

Tom : Was mache ich ab nächster Woche konkret anders?

Ines : Erstens: Rechnen Sie bei jedem fertigen Auftrag den Deckungsbeitrag je Monteurstunde. Netto-Erlös minus Material und Fremdleistungen, geteilt durch die Stunden.

Ines : Vergleichen Sie das mit Ihren festen Kosten je verkaufter Stunde. Im Beispiel knapp fünfzig Euro.

Tom : Zweitens?

Ines : Kennen Sie Ihre Gewinnschwelle: feste Kosten geteilt durch die Deckungsbeitragsquote. Und rechnen Sie vor jedem Rabatt, wie viel Mehrarbeit ihn ausgleichen muss.

Tom : Und drittens?

Ines : Streichen Sie nie eine Sparte nur nach der Umlage. Entscheidend ist die zweite Stufe und welche Kosten wirklich wegfallen.

Tom : Wie lange dauert es, bis ich damit sicher bin?

Ines : Nach drei Monaten Nachkalkulation haben Sie genug Aufträge für ein klares Bild. Den Gesamtwert finden Sie jeden Monat im Rohertrag Ihrer BWA.

Ines : Dieser Podcast kommt von Yupana, einer Software für den Mittelstand, die Kontobewegungen, Verträge, Software-Lizenzen und die BWA in einer Ansicht zusammenführt.

Quellen

Jede Zahl der Folge ist hier belegt.

  1. 01 Welt der BWL: Deckungsbeitrag Deckungsbeitrag (öffnet in neuem Tab)
  2. 02 Gründerplattform (KfW-unterstützt): Deckungsbeitragsrechnung deckungsbeitragsrechnung (öffnet in neuem Tab)
  3. 03 Welt der BWL: Relativer Deckungsbeitrag Relativer-Deckungsbeitrag (öffnet in neuem Tab)
  4. 04 Selbststaendigkeit.de: Break-even-Point berechnen break-even-point-berechnen (öffnet in neuem Tab)
  5. 05 handwerk.com: 10 Tipps – so wird die BWA zum Frühwarnsystem 10-tipps-so-wird-die-bwa-zum-fruehwarnsystem (öffnet in neuem Tab)
  6. 06 § 275 Abs. 2 Nr. 5 Buchst. b HGB __275.html (öffnet in neuem Tab)
  7. 07 Mandanten-Merkblatt Nr. 5 „Kalkulation“ (Steuerkanzlei Keller) MM_Kalkulation.pdf_54364.pdf.pdf (öffnet in neuem Tab)
  8. 08 HWK Cottbus: Intensivseminar Kalkulation für Handwerksbetriebe 2025 Intensivseminar Kalkulation Handwerksbetriebe.pdf (öffnet in neuem Tab)
  9. 09 § 622 Abs. 2 Nr. 7 BGB __622.html (öffnet in neuem Tab)

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Yupana ist eine Software für den Mittelstand, die Kontobewegungen, Verträge, Software-Lizenzen und die BWA in einer Ansicht zusammenführt. Was Ines in dieser Folge vorrechnet, sehen Sie dort an Ihren eigenen Zahlen.

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