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Fremdkapitalquote

Die Fremdkapitalquote setzt das Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Sie zeigt, welcher Anteil des Vermögens von Gläubigern finanziert ist und irgendwann zurückgezahlt werden muss.

Formel

Fremdkapitalquote = Fremdkapital ÷ Bilanzsumme × 100

Was die Quote im Alltag bewegt

Die Fremdkapitalquote ist die Zahl, die im Bankgespräch als Erstes auf dem Tisch liegt. Sie entscheidet nicht über den Kredit, aber sie entscheidet über den Ton: Wer viel Fremdkapital trägt, muss jede weitere Aufnahme erklären, und jede Zinsanhebung trifft ihn breiter.

Im Betrieb selbst wirkt sie anders. Fremdkapital hat feste Termine — Tilgung, Zins, Fälligkeit. Eigenkapital hat keine. Je höher die Quote, desto mehr Zahlungstermine sind vorab vergeben, bevor überhaupt Geld für Investitionen oder ein schwaches Quartal übrig ist.

Fremdkapitalquote berechnen

Zum Fremdkapital gehören Verbindlichkeiten, Rückstellungen und der passive Rechnungsabgrenzungsposten — also alles auf der Passivseite außer dem Eigenkapital nach § 266 Abs. 3 HGB. Wer die Eigenkapitalquote schon kennt, braucht nichts weiter: Beide ergänzen sich zu 100 Prozent.

Ein Beispiel mit frei gewählten Betriebszahlen:

PositionBetrag
Eigenkapital372.000 €
Rückstellungen148.000 €
Verbindlichkeiten720.000 €
Bilanzsumme1.240.000 €

Das Fremdkapital beträgt 148.000 + 720.000 = 868.000 €. Geteilt durch die Bilanzsumme ergibt das eine Fremdkapitalquote von 70,0 %.

Branchenwerte

Die Deutsche Bundesbank weist die Fremdkapitalquote nicht selbst aus, sondern die Eigenkapitalquote — Eigenmittel in Prozent der Bilanzsumme. Die Werte unten sind daraus abgeleitet: Fremdkapitalquote = 100 minus Eigenkapitalquote. Es sind also keine originären Werte der Bundesbank, sondern die Gegenrechnung dazu. Über alle Wirtschaftszweige liegt der Median bei 65,8 %, die mittlere Hälfte zwischen 41,6 und 86,9 Prozent.

Weil sich beim Umrechnen das Vorzeichen dreht, wird aus dem oberen Quartil der Eigenkapitalquote das untere der Fremdkapitalquote:

WirtschaftszweigMedianmittlere Hälfte
Hochbau83,2 %65,1 – 94,6 %
Tiefbau78,0 %57,5 – 91,6 %
Baugewerbe77,1 %55,0 – 92,1 %
Gastgewerbe76,1 %50,3 – 98,3 %
Kfz-Handel und -Werkstätten74,9 %53,8 – 89,8 %
Landverkehr und Spedition73,7 %49,7 – 91,1 %
Einzelhandel69,2 %46,3 – 90,1 %
Handel65,9 %42,6 – 85,3 %
IT-Dienstleister63,3 %39,7 – 88,6 %
Großhandel61,5 %39,0 – 81,3 %
Gesundheitswesen51,9 %33,0 – 77,6 %
Holdings und Unternehmensverwaltung38,9 %12,1 – 68,8 %
Alle Wirtschaftszweige65,8 %41,6 – 86,9 %

Nach Größenklasse gestaffelt fällt die Quote in der Mitte am niedrigsten aus — nicht bei den größten Betrieben:

67,8 %Median unter 2 Mio. € Umsatz (n = 13.621) — abgeleitet aus der Eigenkapitalquote der Bundesbank, Berichtsjahr 2024.
66,4 %Median bei 2 bis 10 Mio. € Umsatz (n = 15.575).
63,5 %Median bei 10 bis 50 Mio. € Umsatz (n = 14.635).
66,4 %Median ab 50 Mio. € Umsatz (n = 10.485).

Wer sich einordnen will, vergleicht deshalb Branche und Größenklasse — beides steht in den Branchenkennzahlen, für den Bau zum Beispiel auf der Seite Hochbau. Die eigenen Zahlen daneben legt der Kennzahlen-Check.

Der Median ist kein Zielwert und kein Durchschnitt. Er ist die Mitte der Verteilung: Die Hälfte aller Betriebe liegt darüber, die Hälfte darunter. Eine Quote über dem Median bedeutet, dass der Betrieb in der oberen Hälfte liegt — nicht, dass etwas falsch läuft.

Die häufigste Fehldeutung

„Fremdkapital ist teuer, Eigenkapital ist umsonst.“ Das Gegenteil beschreibt die Praxis besser: Zinsen sind sichtbar und als Betriebsausgabe abziehbar, die Renditeerwartung der Gesellschafter ist unsichtbar und wird aus versteuertem Gewinn bedient. Eine hohe Fremdkapitalquote ist deshalb für sich genommen kein Befund. Kritisch wird sie erst, wenn die Fristen nicht passen — kurzfristiges Geld in langfristigem Vermögen. Das beantwortet nicht diese Quote, sondern der Anlagendeckungsgrad.

Wo steht das in deiner Bilanz?

Auf der Passivseite. Position A ist das Eigenkapital, B die Rückstellungen, C die Verbindlichkeiten, D der passive Rechnungsabgrenzungsposten — B bis D zusammen sind das Fremdkapital. Eine reine BWA reicht dafür nicht, weil sie eine Erfolgsrechnung ist; gebraucht wird die Summen- und Saldenliste oder die Bilanz. Wie beides zusammenhängt, steht unter BWA verstehen.

Yupana baut die Bilanz nach § 266 HGB unterjährig aus der Summen- und Saldenliste und stellt Eigen- und Fremdkapitalquote neben den Branchenwert der eigenen Größenklasse.

Bilanz und Kennzahlen

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