Kreditorenlaufzeit
Die Kreditorenlaufzeit gibt an, wie viele Tage im Mittel zwischen dem Eingang einer Lieferantenrechnung und ihrer Bezahlung liegen. Sie wird aus dem Bestand der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen im Verhältnis zum Materialaufwand gerechnet.
Formel
Kreditorenlaufzeit = Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ÷ Materialaufwand × 365
Warum die Kennzahl im Alltag zählt
Die Kreditorenlaufzeit ist das Gegenstück zur Debitorenlaufzeit. Sie misst, wie lange der Betrieb das Geld seiner Lieferanten nutzt, bevor er es weitergibt. Zusammen mit der Lagerdauer ergibt sich daraus, wie viele Tage der Betrieb aus eigener Tasche vorfinanziert — und damit, wie viel Kapital dauerhaft im Umlauf gebunden ist.
Praktisch ist sie vor allem eine Kontrollzahl gegen die eigene Erzählung. Wer meint, „wir zahlen alles sofort“, sieht hier, ob das stimmt. Wer meint, „wir nutzen unsere Zahlungsziele voll aus“, ebenfalls.
Kreditorenlaufzeit berechnen
Ein Beispiel mit frei gewählten Betriebszahlen: Der Bestand an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen beträgt zum Stichtag 142.000 €, der Materialaufwand des Jahres 1.450.000 €.
142.000 ÷ 1.450.000 × 365 = 35,7 Tage
- Verbindlichkeiten ablesen. Sie stehen auf der Passivseite als Position C.4 nach § 266 Abs. 3 HGB.
- Materialaufwand derselben Periode nehmen. In der Gewinn- und Verlustrechnung nach § 275 HGB sind das Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, bezogene Waren und bezogene Leistungen.
- Mal 365 rechnen. Das Ergebnis sind Tage.
- Neben die Debitorenlaufzeit legen. Erst der Abstand zwischen beiden sagt, wer wen finanziert.
Branchenwerte
Die Deutsche Bundesbank leitet die Kreditorenlaufzeit aus der Kreditorenquote ab und weist sie in Tagen aus. Über alle Wirtschaftszweige liegt der Median bei 30,7 Tagen, die mittlere Hälfte zwischen 14,2 und 59,9 Tagen:
| Wirtschaftszweig | Median | mittlere Hälfte |
|---|---|---|
| Holdings und Unternehmensverwaltung | 68,6 Tage | 17,9 – 347,5 Tage |
| Forschung und Entwicklung | 64,6 Tage | 29,9 – 146,0 Tage |
| Steuerberatung und Unternehmensberatung | 62,0 Tage | 23,0 – 178,5 Tage |
| Gesundheitswesen | 55,5 Tage | 27,4 – 114,6 Tage |
| Gastgewerbe | 44,9 Tage | 25,2 – 89,1 Tage |
| IT-Dienstleister | 43,8 Tage | 19,7 – 91,2 Tage |
| Baugewerbe | 28,8 Tage | 15,3 – 50,4 Tage |
| Einzelhandel | 27,4 Tage | 13,9 – 47,8 Tage |
| Maschinenbau | 27,0 Tage | 15,3 – 45,6 Tage |
| Handel | 20,1 Tage | 8,0 – 40,1 Tage |
| Großhandel | 18,2 Tage | 7,3 – 36,5 Tage |
| Kfz-Handel und -Werkstätten | 16,1 Tage | 5,5 – 39,1 Tage |
| Alle Wirtschaftszweige | 30,7 Tage | 14,2 – 59,9 Tage |
Die hohen Werte oben in der Tabelle sind ein Rechenartefakt der Bezugsgröße: Wo der Materialaufwand klein ist, weil kaum Ware eingekauft wird, wird der Quotient groß. Nach Umsatzgröße gestaffelt fällt die Laufzeit dagegen durchgehend:
Alle 58 Wirtschaftszweige stehen in den Branchenkennzahlen, für den Handel etwa auf der Seite Großhandel. Die eigene Laufzeit daneben legt der Kennzahlen-Check.
Die häufigste Fehldeutung
Bei dieser Kennzahl wird am häufigsten eine Richtung unterstellt, die es nicht gibt. Eine lange Kreditorenlaufzeit kann Verhandlungsmacht bedeuten — lange Ziele, die der Lieferant eingeräumt hat. Sie kann genauso gut bedeuten, dass Rechnungen liegen bleiben, weil das Geld fehlt. Von außen sind beide Fälle identisch, und die Statistik stuft die Kennzahl deshalb ausdrücklich als wertungsfrei ein: weder hoch noch niedrig ist für sich besser.
Wer die Richtung wissen will, braucht zwei weitere Blicke: die Altersstruktur der offenen Posten — steckt die Verlängerung in wenigen alten Rechnungen oder verteilt sie sich gleichmäßig? — und den Skontoabzug. Wer Skonto verfallen lässt, um später zu zahlen, bezahlt den Lieferantenkredit mit dem entgangenen Abzug. Was die offene-Posten-Liste dabei zeigt und was nicht, steht unter OPOS.
Wo steht das in deiner BWA?
Der Materialaufwand steht in der BWA, der Bestand an Verbindlichkeiten nicht — der kommt aus der Bilanz oder aus den Kreditorenkonten der Summen- und Saldenliste. Zusammen ergeben beide die Kennzahl; zusammen mit den Forderungen ergeben sie das Working Capital. Wie die Zeilen der BWA zusammenhängen, steht unter BWA verstehen.
Yupana rechnet Kreditoren- und Debitorenlaufzeit Monat für Monat aus Summen- und Saldenliste und offenen Posten — mit Verlauf und dem Branchenwert der eigenen Größenklasse daneben.
Verbindlichkeiten und LiquiditätQuellen
- Deutsche Bundesbank — Statistische Fachreihe „Jahresabschlussstatistik (Verhältniszahlen – vorläufig)“ 2023/2024, Mai 2026 (Berichtsjahr 2024, 54.316 Unternehmen)
- § 266 HGB — Gliederung der Bilanz, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
- § 275 HGB — Materialaufwand als Bezugsgröße
Zuletzt geprüft:
Verwandte Begriffe
- OPOS OPOS steht für „offene Posten“ — Rechnungen, die gestellt, aber noch nicht bezahlt sind. Die OPOS-Liste zeigt den Bestand dieser Forderungen und Verbindlichkeiten zu einem Stichtag.
- Working Capital Das Working Capital ist die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Es zeigt, welcher Teil des kurzfristig gebundenen Vermögens nicht durch kurzfristige Schulden finanziert ist.
- Cashflow Der Cashflow ist der Saldo aus Ein- und Auszahlungen eines Zeitraums. Anders als das Ergebnis der Erfolgsrechnung zeigt er, wie viel Geld tatsächlich geflossen ist.
