Debitorenlaufzeit
Die Debitorenlaufzeit gibt an, wie viele Tage im Mittel zwischen der Rechnungsstellung und dem Zahlungseingang liegen. Sie wird aus dem Bestand der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen im Verhältnis zum Umsatz gerechnet.
Formel
Debitorenlaufzeit = Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ÷ Umsatz × 365
Warum die Kennzahl im Alltag zählt
Jeder Tag Debitorenlaufzeit ist ein Tag, an dem der Betrieb die Leistung seines Kunden vorfinanziert. Material ist bezahlt, Löhne sind gezahlt, die Rechnung ist geschrieben — und das Geld liegt beim Kunden. Wer die Laufzeit um fünf Tage senkt, holt sich rund fünf Tagesumsätze als Bargeld zurück, ohne einen einzigen Auftrag mehr zu verkaufen. Das ist meist der schnellste Hebel auf den Kontostand, den ein Mittelständler überhaupt hat.
Sie ist außerdem ein Frühwarnzeichen. Steigt sie über mehrere Monate, hat sich entweder die Rechnungsstellung verschleppt, die Mahnung ist eingeschlafen, oder die Kunden selbst geraten in Schwierigkeiten. Alle drei Fälle sieht man hier, bevor sie auf dem Bankkonto ankommen.
Debitorenlaufzeit berechnen
Ein Beispiel mit frei gewählten Betriebszahlen: Der Bestand an Forderungen aus Lieferungen und Leistungen beträgt zum Stichtag 186.000 €, der Jahresumsatz 2.400.000 €.
186.000 ÷ 2.400.000 × 365 = 28,3 Tage
- Forderungen ablesen. Sie stehen in der Bilanz unter dem Umlaufvermögen als Position B.II.1 nach § 266 Abs. 2 HGB.
- Umsatz derselben Periode nehmen. Bei einer unterjährigen Rechnung den Umsatz der zurückliegenden zwölf Monate, nicht den des laufenden Jahres — sonst passen Zähler und Nenner nicht zusammen.
- Mal 365 rechnen. Das Ergebnis sind Tage.
- Über zwölf Monate ansehen. Ein einzelner Stichtag zeigt vor allem, ob kurz davor eine große Rechnung rausging.
Branchenwerte
Die Deutsche Bundesbank leitet die Debitorenlaufzeit aus der Debitorenquote ab und weist sie in Tagen aus. Über alle Wirtschaftszweige liegt der Median bei 24,1 Tagen, die mittlere Hälfte zwischen 9,9 und 43,4 Tagen. Zwischen den Branchen ist der Abstand groß — er folgt dem Geschäftsmodell, nicht der Zahlungsmoral:
| Wirtschaftszweig | Median | mittlere Hälfte |
|---|---|---|
| Gesundheitswesen | 46,4 Tage | 28,1 – 66,4 Tage |
| Ingenieurbüros und Architekten | 37,6 Tage | 15,7 – 65,3 Tage |
| Steuerberatung und Unternehmensberatung | 36,1 Tage | 13,1 – 66,1 Tage |
| Tiefbau | 34,7 Tage | 19,7 – 57,3 Tage |
| IT-Dienstleister | 33,6 Tage | 13,5 – 56,6 Tage |
| Maschinenbau | 28,8 Tage | 16,4 – 46,7 Tage |
| Baugewerbe | 28,5 Tage | 14,2 – 49,3 Tage |
| Großhandel | 22,6 Tage | 12,8 – 36,9 Tage |
| Handel | 17,9 Tage | 7,7 – 31,8 Tage |
| Kfz-Handel und -Werkstätten | 12,8 Tage | 6,6 – 22,6 Tage |
| Einzelhandel | 8,0 Tage | 1,5 – 23,4 Tage |
| Gastgewerbe | 2,9 Tage | 0,0 – 11,3 Tage |
| Alle Wirtschaftszweige | 24,1 Tage | 9,9 – 43,4 Tage |
Nach Umsatzgröße gestaffelt bewegt sich der Wert dagegen kaum:
Der Maßstab ist also die Branche, nicht die Größe. Alle 58 Wirtschaftszweige stehen in den Branchenkennzahlen, für Systemhäuser und Softwarehäuser etwa auf der Seite IT-Dienstleister. Die eigene Laufzeit daneben legt der Kennzahlen-Check.
Die häufigste Fehldeutung
„Wir haben 14 Tage Zahlungsziel vereinbart, also müssten es 14 Tage sein.“ Die Kennzahl misst nicht das vereinbarte Ziel, sondern den tatsächlichen Bestand am Stichtag. In ihm stecken auch strittige Rechnungen, Sicherheitseinbehalte und alles, was nie bezahlt wurde. Ein zweiter Punkt kommt dazu: Der Forderungsbestand enthält die Umsatzsteuer, die Umsatzerlöse nach § 277 Abs. 1 HGB enthalten sie nicht. Wer beides ungeprüft mischt, rechnet die Laufzeit systematisch zu lang.
Deshalb ist die Kennzahl gut für den Verlauf und für den Branchenvergleich — für die Frage „welcher Kunde hängt“ taugt nur die OPOS-Liste.
Wo steht das in deiner BWA?
Nicht in der BWA — die ist eine Erfolgsrechnung. Der Forderungsbestand steht in der Bilanz oder in der Summen- und Saldenliste auf den Debitorenkonten; den Umsatz liefert die BWA. Beides zusammen ergibt die Kennzahl. Wie die Zeilen ineinandergreifen, steht unter BWA verstehen; wie viel Kapital insgesamt im Umlauf gebunden ist, sagt das Working Capital.
Yupana rechnet die Debitorenlaufzeit Monat für Monat aus Summen- und Saldenliste und offenen Posten — mit Verlauf und dem Branchenwert der eigenen Größenklasse daneben.
Forderungen und LiquiditätQuellen
- Deutsche Bundesbank — Statistische Fachreihe „Jahresabschlussstatistik (Verhältniszahlen – vorläufig)“ 2023/2024, Mai 2026 (Berichtsjahr 2024, 54.316 Unternehmen)
- § 266 HGB — Gliederung der Bilanz, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
- § 277 HGB — Umsatzerlöse ohne Umsatzsteuer
Zuletzt geprüft:
Verwandte Begriffe
- OPOS OPOS steht für „offene Posten“ — Rechnungen, die gestellt, aber noch nicht bezahlt sind. Die OPOS-Liste zeigt den Bestand dieser Forderungen und Verbindlichkeiten zu einem Stichtag.
- Working Capital Das Working Capital ist die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Es zeigt, welcher Teil des kurzfristig gebundenen Vermögens nicht durch kurzfristige Schulden finanziert ist.
- Liquiditätsgrade Die Liquiditätsgrade setzen unterschiedlich schnell verfügbare Vermögensteile ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Sie beantworten, ob ein Unternehmen seine kurzfristigen Zahlungspflichten aus vorhandenen Mitteln bedienen könnte.
