Zum Inhalt springen

Gesamtkapitalrendite

Die Gesamtkapitalrendite setzt das Jahresergebnis zuzüglich der Zinsaufwendungen ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Sie zeigt, was das gesamte im Unternehmen gebundene Kapital erwirtschaftet hat — unabhängig davon, ob es von Gesellschaftern oder von Gläubigern stammt.

Formel

Gesamtkapitalrendite = (Jahresergebnis + Zinsaufwand) ÷ Bilanzsumme × 100

Warum sie eine andere Frage beantwortet als die Umsatzrendite

Die Umsatzrentabilität sagt, wie viel von jedem Euro Umsatz übrig bleibt. Die Gesamtkapitalrendite sagt etwas anderes: wie hart das eingesetzte Kapital arbeitet. Zwei Betriebe mit derselben Umsatzrendite können hier weit auseinanderliegen — der eine bindet Kapital in Halle, Fuhrpark und Lager, der andere mietet, least und arbeitet mit kurzen Beständen.

Im Alltag ist sie die Zahl für Investitionsentscheidungen. Wer eine Maschine finanziert, vergleicht die erwartete Verzinsung des zusätzlich gebundenen Kapitals mit dem, was der Betrieb heute schon aus seinem Kapital holt. Liegt das Neue darunter, senkt die Investition die Rendite des Ganzen — auch wenn sie für sich genommen Gewinn bringt.

Gesamtkapitalrendite berechnen

Die Zinsaufwendungen werden bewusst wieder hinzugerechnet. Sonst würde die Kennzahl den fremdfinanzierten Betrieb bestrafen, obwohl beide dasselbe Kapital eingesetzt haben — nur eben aus verschiedenen Quellen. So misst sie die Leistung des Kapitals vor der Frage, wem es gehört.

Ein Beispiel mit frei gewählten Betriebszahlen:

PositionBetrag
Jahresergebnis84.000 €
Zinsaufwand21.000 €
Ergebnis vor Zinsen105.000 €
Bilanzsumme1.500.000 €

Daraus ergibt sich 105.000 ÷ 1.500.000 = 7,0 %. Jeder Euro Kapital im Betrieb hat also sieben Cent erwirtschaftet, bevor Zinsen abgeflossen sind.

Branchenwerte

Die Deutsche Bundesbank führt diese Kennzahl als „Jahresergebnis und Zinsaufwendungen in Prozent der Bilanzsumme“ — genau die Abgrenzung von oben. Über alle Wirtschaftszweige liegt der Median bei 6,5 %, die mittlere Hälfte zwischen 2,1 und 14,3 Prozent. Die Streuung ist größer als der Abstand zwischen den meisten Branchen:

WirtschaftszweigMedianmittlere Hälfte
Steuerberatung und Unternehmensberatung12,7 %3,6 – 27,3 %
Sozialwesen10,8 %2,4 – 26,1 %
Gebäudebetreuung und Garten-/Landschaftsbau10,2 %3,8 – 20,2 %
IT-Dienstleister9,6 %2,2 – 21,0 %
Ausbaugewerbe und Bauinstallation8,2 %3,2 – 16,6 %
Einzelhandel8,0 %2,7 – 17,5 %
Handel7,0 %2,8 – 14,0 %
Maschinenbau5,6 %1,9 – 11,4 %
Hochbau4,0 %1,6 – 8,1 %
Immobilienwirtschaft3,8 %1,8 – 7,6 %
Holdings und Unternehmensverwaltung3,1 %0,0 – 8,6 %
Gesundheitswesen2,3 %−2,1 – 10,7 %
Alle Wirtschaftszweige6,5 %2,1 – 14,3 %

Auffällig ist die Staffelung nach Umsatzgröße derselben Erhebung — sie fällt durchgehend:

8,9 %Median unter 2 Mio. € Umsatz (n = 13.621) — Bundesbank, Berichtsjahr 2024.
6,8 %Median bei 2 bis 10 Mio. € Umsatz (n = 15.575).
5,7 %Median bei 10 bis 50 Mio. € Umsatz (n = 14.635).
5,5 %Median ab 50 Mio. € Umsatz (n = 10.485).

Das liegt an der Bilanzsumme im Nenner: Sie wächst mit der Größe schneller als das Ergebnis. Der Vergleich taugt deshalb nur innerhalb derselben Größenklasse — die Werte je Branche stehen in den Branchenkennzahlen, für Beratungshäuser etwa auf der Seite Steuerberatung und Unternehmensberatung. Die eigenen Zahlen daneben stellt der Kennzahlen-Check.

Der Median ist die Mitte der Verteilung, kein Zielwert. Ein Betrieb im unteren Viertel ist damit nicht schlecht geführt — er hat unter Umständen nur mehr Kapital gebunden, etwa durch eine eigene Immobilie. Die Zahl wirft eine Frage auf, sie beantwortet keine.

Die häufigste Fehldeutung

Die Gesamtkapitalrendite wird regelmäßig mit der Eigenkapitalrendite verwechselt. Der Unterschied ist der Nenner: Die eine misst gegen das ganze Kapital, die andere nur gegen das eigene. Wer viel mit Fremdkapital arbeitet, kommt bei der Eigenkapitalrendite auf hohe Werte, ohne dass der Betrieb besser wirtschaftet — der Nenner ist einfach kleiner. Diese Hebelwirkung dreht sich in schwachen Jahren um, weil die Zinsen unabhängig vom Ergebnis anfallen. Die Gesamtkapitalrendite kennt den Effekt nicht und ist deshalb die stabilere der beiden Zahlen.

Wo steht das in deiner BWA?

Vollständig nirgends. Das Jahresergebnis und der Zinsaufwand stehen in der Erfolgsrechnung, die Bilanzsumme aber nur in der Bilanz — die BWA allein liefert den Nenner nicht. Gebraucht wird die Summen- und Saldenliste dazu, aus der sich die Bilanzsumme aufbauen lässt. Der Zinsaufwand steht in der Gewinn- und Verlustrechnung als „Zinsen und ähnliche Aufwendungen“ nach § 275 HGB. Wie die Zeilen zusammenhängen, steht unter BWA verstehen.

Yupana rechnet Bilanz und Ergebnis unterjährig aus der Summen- und Saldenliste und stellt die Gesamtkapitalrendite neben den Branchenwert der eigenen Größenklasse.

Bilanz und Kennzahlen

Quellen

Zuletzt geprüft:

Verwandte Begriffe