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BWA verstehen

der Yupana-Podcast

Folge 07

Kontokorrent: Wie viel Luft haben Sie wirklich?

12 Min. 5 Kapitel

Kontokorrent richtig nutzen: So rechnen Sie aus, wie viel von Ihrem Kreditrahmen am engsten Tag des Monats wirklich frei ist. Danach kennen Sie Ihren Sockel, Ihre 80-Prozent-Schwelle und den Anruf vor jeder Überziehung. Testen Sie Yupana 14 Tage kostenlos und sehen Sie Ihr Konto und Ihre BWA in einer Ansicht.

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Hunderttausend Euro Rahmen

Tom : Ich habe bei der Bank hunderttausend Euro Kontokorrent. Damit habe ich doch hunderttausend Euro Luft, oder?

Ines : Auf dem Papier ja. Heute rechnen wir aus, wie viel davon am engsten Tag des Monats wirklich frei ist.

Tom : Erst mal zum Wort. Was heißt Kontokorrent überhaupt?

Ines : Laufende Rechnung, so steht es in Paragraf dreihundertfünfundfünfzig Handelsgesetzbuch. Alle Zahlungen laufen über ein Konto und werden regelmäßig miteinander verrechnet.

Ines : Bei der Sparkasse etwa passiert das laut ihren Geschäftsbedingungen zum Ende jedes Kalenderquartals. Dann werden auch die Zinsen abgerechnet.

Tom : Und der Kontokorrentkredit ist der Rahmen, bis zu dem ich ins Minus darf?

Ines : Genau, eine Kreditlinie auf dem Geschäftskonto ohne festen Tilgungsplan. Zurückgeführt wird sie durch das Geld, das hereinkommt.

Tom : Was kostet mich die Linie, solange ich sie nicht nutze?

Ines : Zinsen zahlen Sie nur auf den genutzten Betrag und nur für die Tage im Minus. Bei neuen Verträgen kann eine Gebühr für die Bereitstellung dazukommen, das steht im Vertrag.

Tom : Und mit welchen Zahlen rechnen wir heute?

Ines : Wieder mit dem Beispielbetrieb: Handwerk, vierzig Leute, dreihundertdreißigtausend Euro Gesamtleistung im Monat. Alle Beträge sind ein Rechenbeispiel.

Ines : Der Rahmen liegt bei hunderttausend Euro. Das Konto steht im besten Moment des Monats bei minus vierzigtausend, nach den Löhnen bei minus fünfundachtzigtausend Euro.

Tom : Dann bleiben mir am Monatsende also nur fünfzehntausend Euro?

Ines : Ja, fünfzehntausend statt hunderttausend. Das ist Ihre echte Luft, und um die geht es in drei typischen Fehlern.

Fall 1: Der Sockel geht nie weg

Tom : Minus vierzigtausend im besten Moment. Das ist bei uns seit gut einem Jahr so.

Ines : Dann haben Sie einen Sockel, Fachleute sagen auch Bodensatz. Das ist der Teil der Linie, der nie zurückgezahlt wird.

Tom : Woher kommt der denn?

Ines : Meist aus Käufen, die über das Konto bezahlt wurden, etwa ein Transporter oder eine Maschine. Dazu kommen Verluste oder Entnahmen, die nie ausgeglichen wurden.

Tom : Und wie finde ich meinen Sockel?

Ines : Nehmen Sie die Kontoauszüge der letzten zwölf Monate und notieren Sie je Monat den höchsten Stand. Der beste dieser zwölf Werte ist Ihr Sockel, besser stand das Konto das ganze Jahr nicht.

Tom : Was ist daran so schlimm? Die Bank bekommt ihre Zinsen, ich habe meine Ruhe.

Ines : Der Kontokorrentkredit ist für kurze Schwankungen gedacht, nicht für Dinge, die Sie jahrelang nutzen. Controlling-Ratgeber und die Industrie- und Handelskammern raten, einen Sockel in ein Darlehen umzuschulden.

Tom : Wegen der Zinsen?

Ines : Die Zinsen sind gerade das kleinste Argument. Laut Zinsstatistik für deutsche Banken kosteten Kontokorrentkredite an Unternehmen im August im Schnitt gut fünf Prozent.

Ines : Neue Kredite bis eine Million Euro lagen je nach Zinsbindung zwischen gut vier und knapp sechs Prozent. Ihr einzelner Zins kann davon abweichen.

Tom : Und was heißt das in Euro?

Ines : Auf vierzigtausend Euro Sockel spart das Darlehen im besten Fall ein paar hundert Euro im Jahr, im schlechtesten kostet es mehr. Dafür würde ich nicht zur Bank gehen.

Tom : Dann lasse ich es doch, wie es ist.

Ines : Nein, denn es gibt zwei andere Gründe. Erstens fehlen Ihnen jeden Tag vierzigtausend Euro Luft, genau die fehlen am Monatsende.

Ines : Zweitens ist eine Linie ohne Laufzeit leicht zu beenden. Bei der Sparkasse etwa darf die Bank sie mit sachgerechtem Grund jederzeit ohne Frist kündigen, nur nicht zur Unzeit.

Tom : Und ein Darlehen kann die Bank nicht kündigen?

Ines : Ein Darlehen mit fester Laufzeit kann die Bank vor allem dann vorzeitig kündigen, wenn sich Ihre Lage wesentlich verschlechtert. So regelt es Paragraf vierhundertneunzig BGB.

Ines : Läuft alles normal, läuft das Darlehen bis zum Ende. Das ist planbarer als eine Linie, die die Bank jederzeit neu bewerten kann.

Tom : Gibt es noch einen Nachteil, wenn die Linie dauernd voll ist?

Ines : Die Industrie- und Handelskammer Magdeburg nennt ihn. Eine hohe Inanspruchnahme kann Ihre Bonitätsnote verschlechtern, und dann werden alle weiteren Kredite teurer.

Tom : Wie lange soll so ein Darlehen laufen?

Ines : So lange, wie das hält, was Sie damit bezahlt haben. Bei vierzigtausend Euro über vier Jahre sind das zehntausend Euro Tilgung im Jahr, gut achthundert im Monat.

Tom : Und die Rate fehlt mir dann wieder auf dem Konto.

Ines : Ja, sie gehört als feste Zahlung in Ihren Liquiditätsplan. Dafür baut sie die Schuld ab, während der Sockel im Kontokorrent einfach stehen bleibt.

Tom : Kürzt die Bank dann nicht gleich meinen Rahmen um die vierzigtausend?

Ines : Das kann sie wollen, darum gehört es ins Gespräch. Sagen Sie vorher, dass die Linie für die Schwankungen bleiben soll, und belegen Sie die Schwankung mit Ihren Auszügen.

Tom : Und wie sieht meine Luft danach aus?

Ines : Ohne die Rate gerechnet liegt der beste Stand dann bei null, der schlechteste bei minus fünfundvierzigtausend. Am engsten Tag bleiben fünfundfünfzigtausend Euro frei statt fünfzehntausend.

Fall 2: Nur drei Tage drüber

Tom : Letzten Monat waren wir kurz über dem Rahmen. Ein Kunde hat seinen Abschlag drei Wochen später bezahlt.

Ines : Rechnen wir das. Fehlen am Monatsende dreißigtausend Euro, steht das Konto bei minus hundertfünfzehntausend, also fünfzehntausend über der Linie.

Tom : Nach drei Tagen war das Geld da. Die Bank hat nichts gesagt, und die Löhne gingen raus.

Ines : Diesmal. Über die Linie hinaus hat Ihnen die Bank nichts zugesagt, sie hat die Zahlungen nur geduldet.

Tom : Und was kostet mich so eine geduldete Überziehung?

Ines : Laut Ratgebern liegt der Zins dafür oft vier bis fünf Prozentpunkte über dem vereinbarten. Bei fünfzehntausend Euro für drei Tage sind das nur ein paar Euro.

Tom : Dann ist es ja harmlos.

Ines : Beim Zins ja, bei der Bewertung nicht. Das Handwerksblatt schreibt: Wer die Linie auch nur um einen Euro überzieht, verletzt schon den Kreditvertrag.

Ines : Und die Ratingsysteme der Banken werten eine Überziehung automatisch negativ, auch wenn Ihr Berater nichts sagt.

Tom : Gibt es dafür feste Regeln?

Ines : Ja, in der europäischen Eigenkapitalverordnung, Artikel hundertachtundsiebzig. Bei einer Überziehung beginnt die Überfälligkeit an dem Tag, an dem Sie das Limit überschreiten.

Ines : Ist ein erheblicher Betrag mehr als neunzig Tage überfällig, gilt der Kunde für die Bank als ausgefallen. Erheblich heißt: mehr als hundert oder fünfhundert Euro und zugleich mehr als ein Prozent des Kredits.

Tom : Bei meiner Linie also gut tausend Euro? Das ist ja nicht viel.

Ines : Genau deshalb gehört jede Überziehung vorher auf den Tisch, nicht hinterher. Drei Tage sind kein Ausfall, aber sie stehen in Ihrer Kontoführung.

Tom : Was hätte ich denn anders machen sollen?

Ines : Die Bank vorher anrufen. Sagen Sie den Grund, die Höhe, die Dauer und welcher Zahlungseingang die Überziehung zurückführt.

Tom : Und die Bank macht das dann einfach mit?

Ines : Eine Garantie gibt es nicht. Die Kammer Halle schreibt aber, eine begrenzte Erhöhung des Rahmens, etwa für drei Monate, sei meist problemlos möglich und besser als die geduldete Überziehung.

Tom : Woher weiß ich vorher, dass es eng wird? Der Kunde hat mir ja nicht gesagt, dass er später zahlt.

Ines : Aus einer Warnschwelle. Ein Berater im Handwerksblatt rät, spätestens bei achtzig Prozent ausgeschöpfter Linie Alarm zu schlagen.

Tom : Achtzig Prozent von hunderttausend sind achtzigtausend. Mit minus fünfundachtzigtausend bin ich ja jeden Monat drüber.

Ines : Richtig, und darum hat Sie der späte Kunde überrascht. Mit dem Sockel als Darlehen hätten Sie am Monatsende fünfundfünfzigtausend Euro Luft gehabt, die dreißigtausend hätten gepasst.

Tom : Wer bei mir soll auf diese Schwelle achten?

Ines : Das Büro, jeden Montag beim Blick aufs Konto. Rutscht das Konto laut Plan in den nächsten Wochen unter minus achtzigtausend, ruft es Sie an, und Sie rufen die Bank an.

Tom : Und wenn der Kunde gar nicht zahlt?

Ines : Dann ist es kein Problem der Linie mehr, sondern eines der Forderung. Mahnen Sie sofort und reden Sie mit der Bank, solange noch Wochen dazwischen liegen.

Fall 3: Die Bank kürzt den Rahmen

Tom : Ein Kollege hat erzählt, seine Bank hätte nach einem schlechten Jahr die Linie halbiert. Kann die das einfach?

Ines : Eine Linie ohne feste Laufzeit kann die Bank nach ihren Geschäftsbedingungen kürzen oder kündigen. Verschlechtert sich Ihre Lage wesentlich, auch fristlos.

Tom : Und was passiert dann mit meinem Minus?

Ines : Die Kammer Halle schreibt, nach einer Kündigung erwartet die Bank den sofortigen Ausgleich des Kontos. Im Beispiel wären das bis zu fünfundachtzigtausend Euro.

Tom : Die habe ich doch nicht einfach so.

Ines : Darum ist dieser Fall der teuerste. Und die Sparkasse kann laut ihren Bedingungen zusätzlich mehr Sicherheiten verlangen, wenn sich das Risiko verändert.

Tom : Muss mir die Bank nicht sagen, warum sie so entscheidet?

Ines : Bei der ordentlichen Kündigung braucht die Sparkasse einen sachgerechten Grund und muss Ihre Belange berücksichtigen. Verlassen sollten Sie sich darauf nicht.

Tom : Welchen Fehler macht man da typischerweise?

Ines : Man schickt der Bank Zahlen erst, wenn sie danach fragt. Dann erfährt sie von der Verschlechterung erst aus dem Jahresabschluss, also lange nach dem Geschäftsjahr.

Tom : Muss ich meiner Bank denn überhaupt Zahlen schicken?

Ines : Gesetzlich muss sie sich Ihre Verhältnisse nach Paragraf achtzehn Kreditwesengesetz erst ab einer Kreditgrenze offenlegen lassen, meist eineinhalb Millionen Euro. Darunter regelt es Ihr Kreditvertrag.

Ines : Schicken Sie nichts, sieht die Bank vor allem Ihr Konto, und das zeigt im Beispiel einen Sockel und Überziehungen.

Tom : Und was soll ich schicken? Ich will der Bank nicht jede Schwäche auf den Tisch legen.

Ines : Einmal im Quartal die BWA und Ihren Liquiditätsplan, ungefragt und mit zwei Sätzen Erklärung. Ein Controlling-Ratgeber nennt genau diese zwei Unterlagen.

Ines : Eine Schwäche, die Sie selbst erklären, wirkt anders als eine, die die Bank selbst findet. Sagen Sie also auch, was Sie dagegen tun.

Tom : Was steht sonst noch im Kreditvertrag, worauf ich achten muss?

Ines : Manchmal Kennzahlen, die Sie einhalten müssen, etwa eine Mindest-Eigenkapitalquote. Lassen Sie sich diese Zahlen von der Kanzlei jedes Quartal ausrechnen.

Tom : Und wann rede ich über die Höhe der Linie?

Ines : Nicht erst, wenn es eng ist. Die Kammer Halle rät, mindestens zweimal im Jahr zu prüfen, bis zu welcher Höhe Sie überziehen dürfen.

Ines : Die Kammer Magdeburg rät, die Linie rechtzeitig anzupassen, wenn der Umsatz wächst. Beides geht am besten mit guten Zahlen in der Hand.

Tom : Hilft es, der Bank Sicherheiten anzubieten?

Ines : Oft ja. Ein Controlling-Ratgeber nennt etwa die Abtretung aller Kundenforderungen an die Bank, und damit wird der Zins häufig günstiger.

Tom : Und wenn ich eine zweite Bank dazunehme?

Ines : Das kann die Abhängigkeit senken, ist aber eine eigene Verhandlung. Entscheidend bleibt, dass jede Bank Ihre Zahlen früh und regelmäßig sieht.

Zum Mitnehmen

Tom : Was mache ich ab morgen anders?

Ines : Erstens: Rechnen Sie Ihre echte Luft. Rahmen minus das tiefste Minus des Monats, dazu aus zwölf Monaten Auszügen der Sockel, der nie weggeht.

Tom : Zweitens?

Ines : Den Sockel in ein Darlehen umschulden, die Linie bleibt für die Schwankungen. Und eine Warnschwelle von achtzig Prozent, auf die das Büro jeden Montag schaut.

Tom : Und drittens?

Ines : Reden Sie mit der Bank, bevor Sie überziehen, nicht danach. Und schicken Sie ihr jedes Quartal BWA und Liquiditätsplan, ungefragt.

Tom : Woran merke ich, dass es wirkt?

Ines : Am tiefsten Kontostand des Monats. Bleibt er Monat für Monat klar unter achtzig Prozent der Linie, bringt Sie ein später Kunde nicht mehr in Not.

Ines : Dieser Podcast kommt von Yupana, einer Software für den Mittelstand, die Kontobewegungen, Verträge, Software-Lizenzen und die BWA in einer Ansicht zusammenführt.

Quellen

Jede Zahl der Folge ist hier belegt.

  1. 01 § 355 Abs. 1 HGB __355.html (öffnet in neuem Tab)
  2. 02 Allgemeine Geschäftsbedingungen der Sparkasse Gummersbach, Nr. 7 Abs. 1 und 2 AGB.pdf (öffnet in neuem Tab)
  3. 03 WHK Controlling: Kontokorrentkredit kontokorrentkredit (öffnet in neuem Tab)
  4. 04 IHK Magdeburg: Kontokorrent kontokorrent-5042748 (öffnet in neuem Tab)
  5. 05 IHK Halle-Dessau: Dispo-Kredit clever verhandeln dispo-kredit-clever-verhandeln-624138 (öffnet in neuem Tab)
  6. 06 EZB Data API, MFI-Zinsstatistik, Reihe MIR.M.DE.B.A2Z1.A.R.A.2240.EUR.N M.DE.B.A2Z1.A.R.A.2240.EUR.N (öffnet in neuem Tab)
  7. 07 EZB Data API, MFI-Zinsstatistik, Reihe MIR.M.DE.B.A2A.J.R.0.2240.EUR.N M.DE.B.A2A.J.R.0.2240.EUR.N (öffnet in neuem Tab)
  8. 08 EZB Data API, MFI-Zinsstatistik, Reihe MIR.M.DE.B.A2A.I.R.0.2240.EUR.N M.DE.B.A2A.I.R.0.2240.EUR.N (öffnet in neuem Tab)
  9. 09 § 490 Abs. 1 BGB __490.html (öffnet in neuem Tab)
  10. 10 § 488 Abs. 3 BGB __488.html (öffnet in neuem Tab)
  11. 11 Handwerksblatt: Geschäftskonto besser nicht überziehen geschaeftskonto-besser-nicht-ueberziehen (öffnet in neuem Tab)
  12. 12 Art. 178 Abs. 1 Buchst. b und Abs. 2 Buchst. a VO (EU) Nr. 575/2013 (CRR) HTML (öffnet in neuem Tab)
  13. 13 Art. 2 Abs. 2 Delegierte VO (EU) 2018/171 HTML (öffnet in neuem Tab)
  14. 14 Art. 3 Abs. 1 VO (EU) 2018/1845 der EZB (EZB/2018/26) HTML (öffnet in neuem Tab)
  15. 15 § 16 Abs. 2 und 3 SolvV __16.html (öffnet in neuem Tab)
  16. 16 § 18 Satz 1 KWG __18.html (öffnet in neuem Tab)

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